Abstract
Die Vermeidung der Lebensmittelverschwendung ist eine wichtige Maßnahme für die Gewährleistung der globalen Ernährungssicherheit. Schätzungen zufolge wird weltweit ca. 1/3 der produzierten Lebensmittel nicht konsumiert (Gustavsson et al., 2011). Der ineffiziente Einsatz von Ressourcen und eine ungerechte Verteilung von Lebensmitteln haben weitreichende ökologische, wirtschaftliche und soziale Folgen.
Die Verluste entstehen aus unterschiedlichen Gründen in jedem einzelnen Bereich entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette (food supply chain). Angefangen bei den Produzenten, die u.a. aufgrund strenger Qualitätsstandards einen Teil ihre Ernte auf den Feldern liegen lassen. Weitere Lebensmittelabfälle entstehen bei der Lagerung und der Verarbeitung, im Handel und bei der Distribution sowie in der Gastronomie und den Großküchen. Laut Stenmarck et al. (2016) entfallen in den EU-28 Staaten 53% der gesamten Lebensmittelverschwendung auf die Endkonsumenten in den privaten Haushalten. Somit sind sie für mehr als die Hälfte der Lebensmittelverschwendung in Europa verantwortlich.
In Zeiten des Klimawandels, der Ressourcenknappheit und in denen laut FAO ca. 11% der globalen Bevölkerung an Unterernährung leidet, steigt der Druck auf globale Ernährungssysteme, Ressourcen effizienter zu nutzen und Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.
Aus diesem Grund hat die Verbraucherzentrale Südtirol in Zusammenarbeit mit der Region Piemont und der Autonomen Region Aostatal die Initiative „Eine gute Gelegenheit – una buona occassione“ gestartet. Das Ziel der Initiative ist es, durch Sensibilisierungsmaßnahmen die Lebensmittelabfälle in den Haushalten zu reduzieren. Demzufolge hat sich die Verbraucherzentrale zur Aufgabe gemacht, dieses Vorhaben in Südtirol mit verschiedenen Initiativen umzusetzen.
Die erste Aktion bildete das Tagebuch der Lebensmittelabfälle. Dazu nutzte die Verbraucherzentrale ihre eigenen Kommunikationskanäle, um im Herbst 2019 einen eigens dafür ausgearbeiteten Fragebogen an alle ihrer Mitglieder zu verschicken. Die Erhebung sollte einen ersten Überblick über die Lebensmittelverschwendung auf Haushaltsebene in Südtirol geben. An sieben aufeinanderfolgenden Tagen wurden die teilnehmenden Haushalte dazu aufgerufen, ihre Lebensmittelabfälle zu dokumentieren und anzugeben, warum diese entstanden sind.