Abstract
Der vorliegende Projektbericht widmet sich der Frage, inwiefern das Schulleitungsbesetzungsverfahren in Deutschland den heutigen Ansprüchen an Gleichstellung durch das Gender Mainstreaming und der Vielfaltsorientierung im Sinne des Diversity Managements entspricht. Dazu wurden zum einen die beiden Strategien, ihre gesellschaftliche Beachtung und ihre inhaltliche Reichweite vergleichen. Es zeigt sich, dass teilweise ein Verdrängungskampf befürchtet wird, wenn Positionen das Gender Mainstreaming im Diversity Management aufgehen sehen. Es zeigt sich auch, dass beide Ansätze in einer dramatisierend grenzziehenden Art und Weise verstanden werden können, in beiden Diskursen jedoch auch Auslegungen vorzufinden sind, die differenzierenden Charakter haben und stärker der individuellen Vielfalt nahezukommen suchen. Zum anderen wurden zwei Studienteile unternommen. Eine Dokumentenanalyse stellt Erkenntnisse zur sprachlichen Adressierung in Verfahrensdokumenten zur Verfügung. Hier zeigt sich, dass die Papierform noch kein einheitliches Bild darstellt, sondern neben der traditionell männlichen Sprachform oder gelegentlichen explizit positiven Diskriminierungen der Frau ein Bemühen um Gleichstellung durch Beidnennung oder ein Bemühen um neutrale Formulierung im Dienste eines Diversity Managements zu verzeichnen sind. Eine Interviewstudie, die mit am Verfahren beteiligten Gruppen durchgeführt wurde, erlaubt die Ableitung einzelner konkreter Momente, die als Beispiel für Diskriminierung lesbar sind, jedoch vor allem von Spannungsfeldern, in denen sich die am Verfahren beteiligten bei der Auswahl befinden und die keinesfalls einfach als (Nicht)diskriminierung eingestuft werden können. Es stehen letztlich dem gesetzlich begründeten Maßstab von Gleichstellung/Nichtdiskriminierung die Anstrengung gegenüber, Kandidat*innen nach Kriterien auszuwählen, über die eine hohe Passung zur jeweils einzelnen Schule und den regionalen
Schulentwicklungsinteressen sichergestellt werden kann. Nicht zuletzt verweisen die Ergebnisse auf eine hohe Sensibilität bei den Verantwortlichen, Diskriminierung vermeiden zu müssen bzw. wollen und den dennoch gelegentlich auftretenden unangemessenen stereotypen Konstruktionen, die in Interaktionsdynamiken Raum finden. Für das hier zum ersten Mal explorierte Feld werden abschließend Desiderate für Anschlussforschung skizziert und Überlegungen für den schulpraktischen Diskurs eingebracht, die an die Ergebnisse anschließen.