Abstract
In dieser Broschüre werden Menschen des Pustertals und angrenzender Regionen mit jenen Kulturpflanzen porträtiert, von denen diese Menschen Saat- und Pflanzgut vermehren. Die Kulturpflanzenarten sind in Gruppen nach der Nutzung eingeteilt. Zu jeder Kulturpflanze werden Personen porträtiert, die aktuell (Stand: Jahre 2021 und 2022) eine Herkunft der jeweiligen Art in der Region vermehren. Bei den Portraits der aktuell in der Region vermehrten Herkünfte und deren ErhalterInnen handelt es sich um Interviews aus den Jahren 2021 und 2022, die sich inhaltlich eng an den Aussagen der ErhalterInnen orientieren, aber für die flüssige Lesbarkeit gekürzt und sprachlich überarbeitet wurden. Es ist dies eine beispielhafte Auswahl an ErhalterInnen, aber auch an Herkünften und keinesfalls eine vollständige Liste an Kulturpflanzen, die in der Region vermehrt werden oder Menschen, die sich dieser wichtigen Tätigkeit widmen. Die Herkünfte werden von begeisterten Menschen durch die Vermehrung von Saat- und Pflanzgut vor Ort vor dem Verlust bewahrt. Die vielfältigen Gründe für das Festhalten an den Herkünften werden in den Porträts bzw. Interviews aufgezeigt. Diese Vielfalt an Gründen, die sich nicht nur an den agronomischen Leistungen einer Kulturpflanze orientieren, sind der Grundstein für die Weiterentwicklung der Kulturpflanzen. Vor Ort vermehren heißt, dass sich das Vermehrungsmaterial laufend in der Interaktion mit den ErhalterInnen und der Natur verändert. Es heißt aber auch, dass nicht immer alles bewahrt werden muss. “Alt“ heißt nicht immer gut. Es werden in erster Linie jene Herkünfte weiter vermehrt, die sich bewährt haben, andere werden aber aufgelassen. Die jüngere Geschichte zu der Vermehrung und Weitergabe von Kulturpflanzen sowie die Einleitung zu der jeweiligen Kulturpflanzenart wird anhand von Erzählungen älterer Personen aus dem Pustertal und angrenzender Regionen wiedergegeben. Es handelt sich dabei um mündliche Überlieferungen und nicht um eine Auswertung schriftlicher Dokumente . Wenn ergänzend dazu schriftliche Quellen zur Rekonstruktion dieser jüngeren Geschichte herangezogen werden, dann werden diese Quellen zitiert. Die Darstellung der jüngeren Geschichte der Saatgutvermehrung in der Region zeigt, dass diese Aktivität ein kulturelles Erbe darstellt. Die porträtierten Kulturpflanzen Herkünfte sind der lebende Beweis für das weitergetragene und lebendige Erbe in Form von Saat- und Pflanzgut. Die Menschen, die dieses Erbe lebendig erhalten, sind BewahrerInnen unserer kulturellen traditionellen Werte, aber entwickeln diese zugleich auch laufend weiter. Wir betrachten in dieser Broschüre auch ausdrücklich exemplarisch Kulturarten, die erst seit kurzem in der Region angebaut und vermehrt werden, wie zum Beispiel die Tomate. Der Umstand, dass auch für neue Arten das „alte traditionelle“ Handwerk der Saatguterhaltung angewendet wird, soll zeigen, wie dynamisch sich die ErhalterInnen auf neue Bedürfnisse und Entwicklungen einstellen können.
Pustertaler Vielfalter, Kulturartenvielfalt und Saatguterhaltung im Pustertal, Lokale Herkünfte und deren Erhalterinnen. Teilbericht zum Projekt "Pustertaler Kulturartenvielfalt" aus dem Programm: Interreg V-A Italien - Österreich 2014-2020 CLLD Strategie Dolomiti Live (Projektnummer ITAT 4143). Eigenverlag der Gemeinde Assling, Österreich.