Abstract
Die Ergebnisse der vorliegenden Potenzialanalyse bekräftigen den Ruf nach Förderung einer
bäuerlichen Mastgeflügelhaltung in Südtirol. Zum einen kann sich die Südtiroler Landwirtschaft
in ihrer Produktion weiter diversifizieren und die lokale Wertschöpfung sowie den Selbstversor-
gungsgrad an Lebensmitteln steigern; zum anderen bietet die Mastgeflügelhaltung eine inter-
essante Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes in Form eines Zuerwerbs oder Voll-
erwerbs zu verbessern. Dies kann bei geringem Risiko geschehen.
Voraussetzungen für eine positive Entwicklung sind hierfür allerdings u. a. gute Beratungsstruk-
turen sowie eine ausreichende Verfügbarkeit von EU-zertifizierten Schlachthöfen mit entspre-
chender Schlachtkapazität und Auslastung. Für Letztere gilt es ein besonderes Augenmerk auf
die Schlachttechnik und die entsprechende Schulung des Schlachtpersonals zu legen, damit eine
sehr hohe Qualität der Schlachtkörper erreicht wird, welche Grundvoraussetzung für eine erfolg-
reiche Vermarktung ist. Darüber hinaus sollte die Möglichkeit der mobilen Geflügelschlachtung
direkt am Hof angedacht werden, um eine stressfreie Schlachtung und eine höhere Produktquali-
tät zu ermöglichen.
Zusätzlich muss dem Verbraucher (v. a. Gastronomie, Handel) eine ganzjährige, konstante Belie-
ferung garantiert sowie ein gewisses Maß an verarbeitetem und veredeltem Geflügelfleisch an-
geboten werden. Darüber hinaus muss der gesamte Produktionsweg transparent dargestellt und
kommuniziert werden, um auf den Mehrwert von Südtiroler Geflügelfleisch hinzuweisen und den
hohen Produktpreis entsprechend zu rechtfertigen. Der Aufbau einer standardisierten Qualitätsprü-
fung wird dringend angeraten, um die höhere Produktqualität zu belegen.
Sofern die Geflügelfleischproduktion, welche gegenwärtig zum überwiegenden Teil direkt vermark-
ted wird, im Sinne der Menge kontinuierlich aufgestockt wird, sollte angedacht werden, die Ver-
marktung der Produkte über eine zentrale Marketingorganisation zu bündeln (siehe Abbildung 3),
um die Reichweite der Vermarktung zu erhöhen sowie die gegenseitige Konkurrenz am Markt und
den Arbeitsaufwand der Landwirte zu reduzieren. Dies sollte im Einklang mit Fleisch anderer Arten
(Rind, Schaf, Ziege) erfolgen. Demnach wird der Aufbau einer entsprechenden Vermarktungsstruktur
für alle Fleischarten dringend angeraten.
Schließlich muss mittelfristig ein besonderes Augenmerk auf die gegenwärtig sehr starke Abhängig-
keit von externen Ressourcen (Futter, Küken) gelegt werden, um dem Image einer nachhaltigen
bäuerlichen Geflügelmast tatsächlich zu entsprechen. Hierbei gilt es künftig eine möglichst stand-
ortgebundene Geflügelmast anzustreben, indem beispielsweise auch die Elterntierhaltung sowie
die Brut in Südtirol erfolgen. Die Bereitstellung lokaler Futtermittelressourcen ist nicht realistisch,
entsprechend sollte der Fokus auf Zulieferer in unmittelbarer bzw. regionaler Nähe zu Südtirol ge-
legt werden.