Abstract
Wirtschaftsunternehmen spielen in sozialpolitischen Settings eine zentrale Rolle. Neben ihrer Funktion als Tarifpartner sind Unternehmen an der Umsetzung regulativer und distributiver Sozialpolitik wie bspw. im Rahmen des Arbeitsschutzes bzw. der Sozialversicherungen beteiligt. Viele Unternehmen engagieren sich über diese sozialrechtlich fixierten Maßnahmen hinaus im Rahmen betrieblicher Sozialpolitik. Die Auswertung der Selbstdarstellungen und anderer Veröffentlichungen der DAX 30-Unternehmen zeigt ein umfangreiches und vielfältiges Spektrum sozialpolitischer Aktivitäten und Maßnahmen. Es handelt sich sowohl um Angebote, die sich an die eigenen Beschäftigten richten, als auch um Aktivitäten mit Ausstrahlung auf die Gesellschaft. Das Verhältnis zwischen staatlicher und betrieblicher Sozialpolitik ist durch unterschiedliche Entwicklungen geprägt. Einerseits werden betriebliche und/oder tarifliche Leistungen in (sozial)gesetzliche Regelungen überführt, auf der anderen Seite werden aber auch staatlich garantierte und organisierte Leistungen teilweise auf die Betriebe verlagert und staatliche bzw. kommunale Dienstleistungsangebote durch betriebliche Angebote ergänzt. Da von betrieblicher Sozialpolitik insbesondere Arbeitsmarktinsider profitieren, würde aus einer weiteren Verlagerung sozialpolitischer Verantwortung von staatlicher auf die unternehmerische Ebene die Verschärfung sozialer Ungleichheit resultieren.