Abstract
Das Wort „wir“ hat in Südtirol eine besondere Bedeutung. „Wir“ – das bedeutet in der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol Vielfalt. Es gibt drei rechtlich anerkannte Sprachgruppen: die deutsche, die italienische und die ladinische. Die Bürgerinnen und Bürger Südtirols erklären sich einer dieser drei Sprachgruppen zugehörig und verfügen im Zuge dessen über weitreichende Sonderrechte innerhalb der Provinz. Im Alltag ist die Gesellschaft in Südtirol noch vielfältiger. Autonomie ist Teil des Alltags für alle.
Aus historischen Gründen sind Sprache und Kultur der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung besonders geschützt. Das Zweite Autonomiestatut ist Fundament der Selbstverwaltung Südtirols und hat im Jahr 2022 seinen 50. Geburtstag gefeiert. Die Autonomie erstreckt sich neben Südtirol auch auf die Nachbarprovinz Trient – beide gehörten bis zum Ersten Weltkrieg gemeinsam zur Habsburgmonarchie. Seit 1948 befinden sie sich in der autonomen Region Trentino/Südtirol, die sich deutlich von allen übrigen 19 Regionen unterscheidet.
Der vorliegende Autonomiereport möchte die zentralen Aspekte rund um die Besonderheiten der Südtiroler Autonomie erläutern: die weitreichende Selbstverwaltung, das Zusammenleben der Sprachgruppen, den Modellcharakter als Konfliktlösungsinstrument oder die globalen Herausforderungen an eine zahlenmäßig kleine selbstregierte Region wie Südtirol, mit nur etwa einer halben Million Einwohnern.