Abstract
In zahlreichen Verfassungen moderner Demokratien ist das Gemeinwohl als übergeordneter Wert für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft fest verankert. Immer wieder nehmen Politikerinnen und Politiker für sich in Anspruch, mit bestimmten Maßnahmen und Gesetzen das Gemeinwohl zu befördern. Viele Bürgerinitiativen und soziale Bewegungen sehen sich dem Gemeinwohl verpflichtet und behaupten, im Interesse der gesamten Gesellschaft zu handeln. Hinter plakativen Bekenntnissen zum Gemeinwohl verstecken sich oft Partikularinteressen einzelner Gruppen und Parteien: „Obwohl es allgemein gesehen das gemeinsame Gute zweifellos gibt, bleibt strittig, ob sich das jeweils konkrete Gemeinwohl als Summe der individuellen Interessen ergibt oder ob es eine eigene spezifische Qualität hat und damit einschränkend auf die Individualrechte einwirken kann“ (Schubert, Klein 2021).