Abstract
Auch wenn in vielen europäischen Ländern noch nicht sicher ist, ob der Höhepunkt der ersten Pandemiewelle schon erreicht ist, verändert sich die mediale Berichterstattung zur Corona-Krise merklich. Zunächst standen Berichte über die Herkunft und die Krankheitsbilder des Virus, über den dramatischen Kampf des medizinischen Personals vor Ort und die Bewertung der ergriffenen staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie im Vordergrund des Interesses. Dies hat Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt in der Mittelländischen Zeitung umfassend, präzise und faktenbasiert mit seinem Gastkommentar "COVID-19 - eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen" dargestellt.
Im Umfeld der politischen Entscheidungen in Österreich (6.4.), Deutschland (15.4.) und der Schweiz (16.4.) nehmen nun unter häufiger Verwendung des Begriffs „Exit-Strategie“ die Zahl der Ratschläge und Punkteprogramme zum Wiederhochfahren der Wirtschaft und zur Lockerung der Ausgangsbeschränkungen zu.
Ähnlich wie Professor Vogt habe auch ich mich gefragt: Warum also noch ein Beitrag? Ich bin zu folgenden Antworten gekommen: Erstens, weil der ursprüngliche Grund für den Lockdown, der solidarische Schutz definierter Risikogruppen, vielfach schon wieder vergessen wird. Zweitens, weil unter dem Begriff Exit-Strategie meist nur operative Einzelheiten und Stufenpläne diskutiert werden, die für mehr Verwirrung als für Einsicht bei der Bevölkerung sorgen. Drittens, weil simpel die Rückkehr zum Status quo und damit zum Wachstumsmantra angestrebt wird. Schließlich, weil es an Visionen fehlt und es sich überwiegend eben nicht um strategische Überlegungen handelt.
Im Folgenden werde ich zunächst eine kurze Bestandsaufnahme bezüglich der Ausgangssituation speziell in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben, welche die Erarbeitung einer zukunftsorientierten Exit-Strategie notwendig macht. Im zweiten Teil werde ich die meines Erachtens wesentlichen Bausteine einer solchen Strategie und ihre Interdependenzen skizzieren.