Abstract
Seit mehr als dreißig Jahren tragen Schulforscher_innen Befunde zu Geschlechterverhältnissen in der Schule zusammen. Lange Zeit wurde weitgehend übereinstimmend die Bilanz der Benachteiligung der Mädchen innerhalb der Koedukation gezogen. Diese Befunde werden von der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung nicht an einer 'naturgegeben' Geschlechtszugehörigkeit der Schüler_innen festgemacht, sondern auf vergeschlechtlichte Strukturen und Konstruktionsprozesse hin analysiert, Die Orientierung auf Unterricht, seine Umsetzung und Wirkungen und damit auf das Kerngeschäft von Schule blieb dabei zentral. Daneben existieren jedoch weitere Handlungsfelder und Akteursgruppen, die von erziehungswissenschaftlicher, schulorientierter Geschlechterforschung in den Blick genommen wurden. Aus diesem Grund bedarf die Debatte um Schule und Geschlecht der intensiveren empirischen Klärung solcher Felder, die bislang eher randständig erforscht wurden. Neben Unterricht und Lehrpersonen sind auch außerunterrichtliche schulbezogene Handlungsfelder und Akteursgruppen nicht zuletzt deswegen als ein zentrales Desiderat erziehungswissenschaftlicher Geschlechterforschung zu markieren, weil sie für Schulentwicklungsprozesse von besonderer Bedeutung sind. Mit dem Schwerpunktheft wird der Versuch unternommen, einige der bisher wenig beleuchteten Felder in den Blick zu rücken und zu einer differenzierten Perspektive auf Geschlechterverhältnisse in der Schule beizutragen. Ohne Fragen bilden auch hier Akteur_innen und unterrichtliche Geschehnisse zentrale Gegenstände der Auseinandersetzung, aber sie werden um besondere Aufgaben und außerunterrichtliche schulische Orte erweitert. Gleichzeitig dokumentieren die Beiträge, dass der schulbezogenen Geschlechterforschung weiterhin noch viele Bereiche für Forschungsvorhaben offen stehen.