Abstract
Seit Carl Perkins 1956 und ein Jahr später Elvis Presley die blauen Velourslederschuhe zur unbetretbaren Zone erklärten, sind fast sechzig Jahre vergangen, und die Wissenschaften sind dem Pop seitdem immer wieder auf die Füße getreten – und dies obwohl das Verhältnis der Verachtung zwischen Pop und Wissenschaft durchaus ein wechselseitiges war. Aber mehr als siebzig Jahre sind auch vergangen, seit die Kritische Theorie sämtliche Erscheinungen des Populären als kulturindustrielle Massenbespaßungsprodukte verdammte; als Produkte, die ihre Konsumenten bei Laune und im Takt (der Selbstausbeutungsbereitschaft) halten, indem sie über die wahren Entfremdungsverhältnisse in kapitalistischen Gesellschaften den Zuckerguss des temporären Vergnügens streuen. Die einst wie in Stein gemeißelten Sentenzen der Kritischen Theorie – »Fun ist ein Stahlbad«, »Vergnügtsein heißt Einverstandensein« – eigneten sich mittlerweile fast zum T-Shirt-Aufdruck und wären somit selbst zu jenem Pop geworden, vor dem die amtlich zornigen Frankfurter immer gewarnt haben.