Abstract
Die Betriebswirtschafts- und Managementlehre muss sich den großen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen stellen und Beiträge zu ihrer Bewältigung leisten. Bislang tut sie das nicht in ausreichendem Maße. Ausgehend vonder Frage nach der Wünschbarkeit eines wirtschaftlichen Wachstums – eine Frage, die zweifellos viele „Große Herausforderungen“ („Grand Challenges“) unmittelbar berührt und in der Corona-Krise besondere Aktualität besitzt – werden in diesem Essay zunächst die möglichen Beiträge der empirischen Forschung diskutiert, und es wird gezeigt, dass diese Forschung der Einbettung in einen geeigneten normativen Theorierahmen bedarf. Die Entwicklung eines solchen Theorierahmens muss freilich auch ihrerseits auf Erkenntnisse der empirischen Forschung reagieren. Das wechselseitige Beziehungsverhältnis zwischen empirischer Forschung und einer Theorie, die auf einer soliden und weithin akzeptablen normativen Grundlage beruht, führt, unserer Auffassung nach, dazu, die Betriebs- und Managementlehre als eine kritische Disziplin zu sehen, die sich an Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit ausrichtet.
The field of business administration and management studies has to face up to the major societal and ecological challenges and make contributions to overcoming them. So far, it has not done so to a sufficient degree. Starting from the question of the desirability of economic growth―a question that undoubtedly touches directly on many "Grand Challenges" and is particularly topical in the current Corona crisis―in this essay, we first discuss the possible contributions of empirical research and shows that this research needs to be based on suitable normative foundations. The development of such a foundation must, of course, in turn, respond to findings derived from empirical research. The reciprocal relationship between empirical research and a theory based on a sound and widely acceptable normative basis leads, suggests to view business and management studies as a critical academic discipline aligned with sustainability considerations.