Abstract
Wie lassen sich literarische Anschlusskommunikationen im Unterricht empirisch erforschen und welchen Einblick gewähren sie in die subjektiven Rezeptions- und die interaktiven Lernprozesse der SchülerInnen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der folgende Beitrag unter einer methodologischen Perspektive. Die Analysen sind Teil meiner interdisziplinär angelegten Dissertation Literarische Gespräche im interkulturellen Kontext, in der ich empirisch-qualitativ untersucht habe, wie Mirjam Presslers zeitgeschichtlicher Jugendroman Malka Mai von 14-17-jährigen SchülerInnen in drei Klassen in Warschau und Berlin subjektiv rezipiert und im Unterrichtsgespräch interaktiv angeeignet wird. In dem Roman wird die Geschichte einer Flucht einer polnisch-jüdischen Familie zur Zeit des Zweiten Weltkriegs aus den Perspektiven der Mutter und ihrer siebenjährigen Tochter erzählt. Ausgehend von den Sinnangeboten und Rezeptionsanforderungen des Textes rekonstruiert die Studie historische und anthropologische Lernpotentiale in literarischen Gesprächen. Der folgende Beitrag stellt das methodische Design der Studie vor und analysiert exemplarisch ein Unterrichtsgespräch aus dem deutschen schulischen Kontext, das das Zusammenspiel von subjektiver Rezeption und interaktiver Anschlusskommunikation in den Blick nimmt und somit einen Einblick in die komplexen Prozesse literarischer Interpretation eröffnet.