Abstract
Durch die weitläufige Verwendung von Large Language Models wie ChatGPT rücken Fragen zur sprachlichen Variation, Normativität und zur Rolle von Sprachmodellen in der Fachkommunikation
zunehmend in den Fokus der Forschung. Insbesondere im Bereich der Universitätsterminologie zeigen sich
dabei neue Herausforderungen: Sprachvarietäten wie die deutschen Standardvarietäten in Österreich,
Südtirol und Deutschland weisen nicht nur lexikalische Unterschiede auf, sondern sind auch in die
jeweiligen Bildungs-, Rechts- und Verwaltungssysteme eingebettet. Neben dem Einfluss des Europäischen Hochschulraums verweisen terminologische Unterschiede auf divergente institutionelle Realitäten und sind Ausdruck historisch gewachsener, gesellschaftlich und politisch geprägter Strukturen. Diese systemgebundenen terminologischen Unterschiede werden von textgenerativen Sprachmodellen bislang kaum differenziert abgebildet. Dies führt zu terminologischen Inkonsistenzen, die in der universitären Kommunikation oder bei Übersetzungen problematisch sein können. Aus diesem Grund wird im Projekt UniTermGPT der Frage nachgegangen, wie sprachvarietätenspezifische Unterschiede in der deutsch-englischen Universitätsterminologie durch gezieltes Prompting mit ChatGPT besser berücksichtigt werden können. Um aus translatorischer und terminologischer Perspektive zu untersuchen, wie ChatGPT mit deutschsprachiger Terminologie in Universitätstexten umgeht, wird ein Korpus von Hochschultexten aus Österreich, Südtirol und Deutschland erstellt und daraus zentrale Universitätsterminologie extrahiert. Diese wird mit bereits vorhandenen Terminologieressourcen verglichen und mit Universitätstexten in Prompt-
Experimenten verwendet: Übersetzungen aus dem Deutschen und Englischen und umgekehrt werden
unter Einsatz verschiedener Prompt-Strategien mittels ChatGPT angefertigt und anschließend durch
Expert*innen hinsichtlich ihrer terminologischen Korrektheit annotiert.
Die konkreten Ziele des Projekts UniTermGPT sind demnach:
- Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie ChatGPT mit systemgebundener (sprachvarietätenspezifischer)
Terminologie umgeht;
- Die Auswirkungen von gezieltem Prompting (und der Verwendung von Terminologieressourcen) auf
die Ergebnisse zu analysieren;
- Empfehlungen für den praktischen Einsatz von ChatGPT in der Fachübersetzung zu geben.
- Damit leistet UniTermGPT nicht nur einen Beitrag zur Qualitätssicherung in der (mehrsprachigen)
Fachkommunikation, sondern bietet auch Empfehlungen für die Praxis, Sprachpolitik und
universitäre Übersetzungsrichtlinien.
Das Projekt University terminology in German in the age of ChatGPT (UniTermGPT) wurde von der
Autonomen Provinz Bozen - Abteilung Innovation, Forschung, Universität und Museen im Rahmen des
EC-MSCA Seal of Excellence Programms finanziert.