Abstract
Richtwerte zur Kurzrasenweide Das Versuchszentrum Laimburg untersucht seit zwei Jahren das System der Kurzrasenweide in Südtirol. Aus den Versuchen ergeben sich nützliche Richtwerte für die Praxis. Die Kurzrasenweide ist ein intensives Weide-system, welches über die gesamte Vegetati-onsperiode eine niedrige Wuchshöhe des Pflanzenbestandes anstrebt. Ziel ist es, den Tieren Gras in einem jungen Entwicklungs-stadium mit entsprechend hoher Futterqua-lität sowie geringen Futterverlusten bereitzu-stellen. Dafür muss die Besatzdichte (Anzahl der Tiere, die zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einer Teilfläche weiden) kontinuierlich angepasst werden. In der Regel wird zu Beginn und gegen Ende der Vegetationsperiode die gesamte verfügbare Weidefläche beweidet, während die Weidefläche reduziert wird, wenn das Futterangebot die Futteraufnahme durch die Tiere übersteigt. Die nicht beweideten Flächen werden dann für die Produktion von Heu und Silage gemäht. Die kontinuierliche Anpassung der Weidefläche an die Besatz-dichte erfolgt aufgrund einer ständigen Be-obachtung des Graswachstums, was ein recht-zeitiges Reagieren auf eine Änderung des Graszuwachses ermöglicht. Für die erfolgrei-che Umsetzung dieses Weidesystems müssen aber mehrere Bedingungen erfüllt sein: Die Standorte sollten für die Etablierung von häufig nutzbaren Gräsern (vor allem Engli-sches Raigras und Wiesenrispe) klimatisch geeignet sein sowie homogene und höchstens mäßig geneigte Flächen mit guter Wasserver-sorgung (ausgewogener Wasserhaushalt im Boden, evtl. Beregnung) vorweisen. Die Kurzrasenweide findet in Südtirol als alleiniges Weidesystem relativ selten Anwen-dung. Laut einer Umfrage, an welcher knapp 200 Landwirtinnen und Landwirte teilnahmen, die ihre Tiere über die ganze Saison auf der Weide halten, wird diese Form der Weidehal-tung in nur etwa acht Prozent der Fälle ange-wendet. In 39 Prozent der Fälle wurde aller-dings eine Kombination von mehreren Systemen angegeben, weshalb die Nutzung der Kurzrasenweide in Kombination mit an-deren Systemen durchaus auch weiter ver-breitet sein könnte. Die Einschränkungen für ihre Umsetzung sind zum einen die oft un-geeigneten topographischen und klimatischen Eigenschaften im Berggebiet, zum anderen aber vermutlich auch der zeitliche Aufwand Eine regelmäßige Beobachtung oder Messung der Graswuchshöhe bildet die Basis für das schnelle Erkennen von Änderungen beim Graswachstum und die Anpassung der angebotenen Weidefläche. für die kontinuierliche Messung bzw. Schät-zung der Wuchshöhe und die Schwierigkeit der zeitlichen Anpassung der Besatzdichte.