Abstract
Bei neurologischen PatientInnen häufig noch vorliegende diskrete Wortfindungsstörungen (oft in Form erhöhter Benennlatenzen bei letztlich korrekter Reaktion) können anhand verbreiteter Testverfahren nur unzureichend diagnostiziert werden. Spezielle Diagnostikinstrumente, die hier Abhilfe schaffen könnten, sind in der klinischen Praxis oft nicht verfügbar oder nicht praktikabel einsetzbar. Ziel dieser Studie war es daher, normative Daten zu Benennlatenzen für den Untertest "Benennen" des weit verbreiteten "Aachener Aphasie Tests" (AAT) zu gewinnen, um mit ihrer Hilfe diskrete Benennstörungen objektiv und praktikabel diagnostizieren zu können. Es wurden Benennlatenzen von 81 ProbandInnen ohne neurologische Erkrankung erhoben und auf mögliche Auswirkungen der Faktoren Alter, Bildung und Geschlecht analysiert. Außerdem wurde eine Patientin mit einer diskreten Benennstörung hinsichtlich ihrer Benennlatenzen untersucht, um den möglichen Einsatz der normativen Daten beim Nachweis solcher diskreten Benennstörungen zu illustrieren. Bei den gesunden Teilnehmern zeigte nur der Faktor Alter einen Effekt auf das Benennen. Daraufhin wurden die normativen Daten in vier Altersgruppen klassifiziert, für die jeweils Schwellenwerte auffälliger Benennlatenzen definiert wurden. Die untersuchte Patientin erwies sich hinsichtlich ihrer Benennlatenzen gegenüber der Kontrollgruppe als klar auffällig im Sinne eines verzögerten Wortabrufs. Durch die normativen Daten zu Benennlatenzen gesunder SprecherInnen konnte die diagnostische Aussagekraft des AAT-Untertests "Benennen" in einer leicht anwendbaren Form erweitert werden.