Abstract
Europäisches Journal für Minderheitenfragen " Ladinische Einheit " zwischen Anspruch und Wirklichkeit Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Sprachnormierung und des Sprachausbaus im Dolomitenladinischen 1 Paul Videsott 1. Zur aktuellen Situation des Dolomitenladinischen Das Dolomitenladinische 2 wird in den vier vom Sellamassiv ausgehenden Tälern Val Badia/Gadertal, Gherdëina/Gröden, Fascia/Fassatal und Fodom/ Buchenstein von der großen Mehrheit der einheimischen Bevölkerung gesprochen. Nur in der o ¨stlich anschließenden Gemeinde Anpezo/Cortina d'Ampezzo ist die einheimische Bevölkerung ua infolge des durch die Olympischen Spiele von 1956 ausgelösten Spekulationsdrucks auf den Wohnungsmarkt in die Minderheit geraten und nimmt – sowohl in abso-luten als auch in relativen Zahlen – weiterhin ab: 3 1 Vortrag, unter dem Titel " Unité ladina – cie pò pa fé i Ladins enstesc? " [Ladinische Einheit – was können die Ladiner selbst machen?] gehalten auf dem " Di dla Unité ladina " [Tag der ladinischen Einheit] am 26. September 2009 in Reba/Arabba. Dieser Text begnü gt sich mit einer U ¨ berblicksdarstellung, wobei die bibliographischen Verweise dem interessierten Leser eine eingehendere Beschäftigung mit der Thematik ermöglichen sollen. 2 Wissenschaftlich eindeutiger ist der von Hans Goebl geprägte Terminus " brixnerisch-tirolerisches Ladinisch " (" ladino brissino-tirolese "), weil er die hier interessierende Sprach-gemeinschaft exakt umreißt und gleichzeitig jene zwei Faktoren explizit erwähnt, die zur ladinischen Ethnogenese maßgeblich beigetragen haben (vgl Goebl 1999a). 3 Zahlreiche andere statistische Daten zu Ladinien, insbesondere auch zur Sprachverwendung in einzelnen Domänen, finden sich bei Dell'Aquila/Iannàccaro 2006 sowie in ASTAT 2004, wobei aber fü r eine korrekte Interpretation dieser Daten sehr häufig die genaue Kenntnis der lokalen Situation notwendig ist.