Abstract
Der Beitrag beschäftigt sich mit Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Institutionen der Jugendwohlfahrt und der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Österreich, mit dem Schwerpunkt auf Kärnten, in der Zeit von 1950 bis 2000. Ausgangspunkt der Forschung waren die Berichte ehemals von Gewalt betroffener Menschen gegenüber der Opferschutzstelle in Kärnten in den Jahren 2013 bis 2015, deren Erzählungen und institutionalisierte Lebenserfahrungen in Kindheit und Jugend unübersehbare Ähnlichkeiten aufweisen. Der Artikel thematisiert die internationale Aufarbeitung von Gewalt im Kontext der Kinderrechte. Weiterhin fragt der Beitrag nach den Ermöglichungsbedingungen der jahrzehntelangen Gewalt im Kontext der österreichischen Heilpädagogik (in der Tradition von Hans Asperger) und der von ihr hervorgebrachten wissenschaftlichen Theoriebildung und Praxis. Es werden die Verknüpfung von religionsähnlichem Vormachtanspruch, stigmatisierender Theoriebildung und totaler Institutionalisierung als Gewalt hervorbringend aufgezeigt sowie Organisationsentwicklung, Stärkung administrativer Verantwortungsübernahme (v.a. der Fachaufsichten) und Reflexion wissenschaftlicher Theoriebildung als Konsequenzen formuliert.