Abstract
1968 war die Kraft, die jenen Kosmopolitanismus wollte, der heute gerade von der Globalisierung aufgefressen wird. Wir brauchen ein neues 1968, das die Reform-Kräfte in sich integriert.
Der Linksidealismus von 1968 war eine Kraft, die den Weltbürger – und als Folge ein Europa für die ganze Welt – wollte. Dieses Konzept wird heute paradoxerweise gerade von jener Globalisierung aufgefressen, die durch 1968 mit erschaffen wurde. Die nun erreichten Grenzen der Globalisierung machen nicht nur eine Reform westlicher Globalisierungskonzepte nötig, sondern zeigen auch die Grenzen des 1968 konzipierten radikalliberalen Demokratiemodells auf. Sie zeigen, dass die europäische Linke selbst einen radikalen Wandel von militanter Verteidigerin zivilreligiöser Werte wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Jahr 1968 (Jürgen Habermas, Bassam Tibi) zu einer werte- und inhaltsfreien Laissez-faire Linken im Jahr 2018 durchgemacht hat, die wegen Übertreibung von post-nationaler Post-Politik eine Öffnung ohne Vision kultiviert hat, die eine Gegenreaktion ausgelöst und vom Wähler abgestraft wird bis zur Unkenntlichkeit, wie die jüngsten Wahlen in Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien gezeigt haben. Die Dekadenz der Linken stellt die Fragenach einer Revitalisierung der „starken“, gesellschaftsverteidigenden – und damit aktiv an Werte und Grenzen gebundenen – Ideale von 1968, ohne die die Linke weiter in einem Abstieg hineingetaumelt, der sie der Bedeutungslosigkeit preisgibt.