Abstract
Seit mittlerweile über 20 Jahren erfolgt eine stetige Wiederbesiedlung Mitteleuropas durch den
Wolf (Canis lupus), nachdem die Art bis zum 19. Jahrhundert weitestgehend verschwunden war.
Neben einer intensiven Verfolgung durch den Menschen, die sich historisch vor dem Hintergrund
einer Zunahme der Bevölkerung und der damit einhergehenden Nahrungsmittelknappheit
verstehen lässt, dürfte auch die deutliche Reduktion der freilebenden Huftierbestände durch den
Menschen nach der bürgerlichen Revolution ab Mitte des 19. Jahrhunderts für das Verschwinden
der Art verantwortlich gewesen sein.
Zuwanderungen nach Mitteleuropa und damit auch in den Alpenraum erfolgten regelmäßige. Diese
Individuen konnten sich allerdings aus verschiedenen Gründen nicht etablieren (vermutlich spielten
vor allem die legale bzw. illegale Verfolgung eine zentrale Rolle). Erst ein Zusammentreffen
günstiger Umstände ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, zu denen der zwischenzeitlich verliehene
internationale Schutzstatus sowie ein hohes Maß an Gesetzestreue der Interessengruppen, führte
letztlich zur Etablierung der ersten sesshaften Wolfsrudel seit über einem Jahrhundert.
In Deutschland handelt es sich im Wesentlichen um zugewanderte Tiere aus dem baltischostpolnisch-
weißrussisch-ukrainischen Raum und deren Nachkommen. Im Baltikum sowie
Osteuropa (Russland, Ostpolen, Weißrussland, Ukraine) einschließlich des Balkans war die
Ausrottung des Wolfes zwar immer wieder (und zum Teil bis heute) versucht worden, doch nie
gelungen. Dort existierte bis heute ein stabiles Wolfsvorkommen, welches bislang als wichtige
Quelle für die Wiederbesiedlung Mitteleuropas dient. Weitere (weniger umfangreiche)
Wolfsvorkommen, die nie völlig verschwunden waren, existieren in Teilen Spaniens, Italiens und
Frankreichs. Von letzteren (sog „abbruzzo-alpine“ oder korrekt eigentlich apenninisch-alpine
Population) geht derzeit die Wiederbesiedlung der Schweiz und teilweise auch Österreichs aus,
aber auch in Süddeutschland tauchen immer wieder einzelne Individuen aus dieser Region auf.
Damit stellt sich vermehrt die Frage, wie die Gesellschaft mit dem Wolf in Zukunft umgehen soll.
Ein Wolfsmanagement, vergleichbar mit einem Management anderer Wildtiere, ist zukünftig
notwendig.