Abstract
Die Diagnosekompetenz von Sportlehrkräften ist ein bisher kaum beachtetes Forschungsfeld. Dies ist erstaunlich, da sich hochwertige Diagnosen als wichtige Grundlage für eine adaptive Gestaltung des Sportunterrichts zeigen und sie damit potenziell zur Lernwirksamkeit beitragen können. Diese Studie untersucht daher die Ausprägung der drei Diagnosekomponenten Niveau, Differenzierung und Rangordnung nach Schrader (1989). Dazu wurden N = 15 Sportlehrkräfte gebeten, die motorischen Basiskompetenzen von N = 250 Kindern der 5. und 6. Schulstufe zu beurteilen. Die motorischen Basiskompetenzen der Kinder wurden mit dem validen MOBAK-5-Testinstrument (Herrmann & Seelig, 2017b) erfasst. Der empirische Abgleich der Lehrkrafteinschätzung mit den motorischen Basiskompetenzen zeigte eine mittlere Urteilsakkuratheit, eine Überschätzung des absoluten motorischen Niveaus sowie eine Unterschätzung der Merkmalsstreuung der Kinder. Dies zeigt, dass Sportlehrkräfte selbst motorische Basiskompetenzen, die Lernende mehrfach in jeder Sportunterrichtseinheit in unterschiedlichen Kontexten zeigen, nur bedingt einschätzen können.