Abstract
Seit seiner Entdeckung in den Ötztaler Alpen am 19. September 1991 gewährt uns der Mann aus dem Eis einen tiefen Einblick in die Lebensumstände einer bis dahin wenig erforschten Bevölkerung, die vor über 5000 Jahren im alpinen Raum heimisch war. Durch die Verwendung modernster medizinischer und Naturwissenschaftlicher Untersuchungen ist es gelungen, zahllose Details über das Leben der weltbekannten Gletschermumie, aber vor allem auch zu ihren Krankheiten und zu ihrem gewaltsamen Tod am Hauslabjoch zu erforschen. Darüber hinaus bietet die moderne Mumienforschung die Möglichkeit, wichtige Erkenntnisse zum Auftreten und zur Entwicklung von Krankheiten zu erhalten. So konnten bei dem Mann aus dem Eis, mit Hilfe von modernen Hochdurchsatzsequenzierverfahren, eine genetische Veranlagung für Herz‐ und Kreislauferkrankungen festgestellt und der Krankheitserreger Helicobacter pylori im Magen des Ötzi nachgewiesen werden. Die Untersuchung unterschiedlicher Biomoleküle, einschließlich DNA, Lipiden und Proteinen, ermöglichte zudem die Rekonstruktion seiner letzten Mahlzeit, die im Wesentlichen aus getrocknetem und sehr fettreichem Wildfleisch und frühen Getreidearten wie dem Einkorn bestand.