Abstract
Im Mathematikunterricht der Grundschule zeigt ein beträchtlicher Teil der Schüler/innen gravierende Lernschwierigkeiten beim Erwerb des Basisstoffs der Arithmetik. Die Schwierigkeiten sind insofern «besondere», als sie über einen längeren Zeitraum anhaltend sind, den weiteren mathematischen Kompetenzaufbau erschweren und schließlich dazu führen, dass die betroffenen Schüler/innen die Lernziele des Mathematikunterrichts in der Grundschule und folglich auch in der Sekundarstufe nicht erreichen.
Besondere Schwierigkeiten beim Lernen von Mathematik werden in verschiedenen Fachdisziplinen und auch innerhalb einzelner Disziplinen unterschiedlich bezeichnet. In medizinisch-psychologischen und sonderpädagogischen Zugängen wird in der Regel mit Begriffen wie «Rechenschwäche», «Rechenstörung» oder «Dyskalkulie» gearbeitet. In der mathematikdidaktischen Diskussion findet man stattdessen oft Umschreibungen wie «besondere Schwierigkeiten beim Mathematiklernen». Die unterschiedliche Wortwahl spiegelt Unterschiede im Verständnis wider, die jeweils durch spezifische theoretische Grundannahmen, Forschungsinteressen und Methoden gekennzeichnet sind und teilweise in unterschiedlichen Aussagen und Handlungsempfehlungen münden.
Die Zugänge und Positionen innerhalb der deutschsprachigen Mathematikdidaktik sind Gegenstand des vorliegenden Papiers.