Abstract
Die formelle Streitbeilegung in der causa Südtirol 1992 zwischen Italien und Österreich vor den Vereinten Nationen ist auch für die europäische Geschichte von großer Bedeutung: Sie ist der Schlussstrich unter einem Konflikt, der Italien und Österreich jahrzehnte lang entzweit hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Annektion durch Italien verschärften sich die ethnischen Spannungen in Südtirol unter dem Faschismus und dem Nationalsozialismus. Der Konflikt dauerte in der Nachkriegszeit an und bedeutete eine lange Zeit der Unterdrückung der lokalen Minderheiten und des gegenseitigen Unrechts. Erst in den 1960er Jahren zeichnete sich eine friedliche Lösung für die heutige Autonomie Provinz Bozen/Südtirol ab; drei Jahrzehnte später, 1992, konnte der Streit auch formell beendet werden. Die Beilegung des ethnischen Konflikts in diesem kleinen Land im Herzen der Alpen ist eine wegweisende Erfahrung und gleichzeitig Denkanstoß: Das friedliche Zusammenleben auf der Grundlage von Dialog und Konsens sollte ein Wesensmerkmal des neuen Europa sein.