Abstract
Die vorliegende Dissertation im Bereich „Soziale Arbeit und Gesundheitsförderung“ stellt die kommunale Gesundheitsförderung im ländlichen Raum Südtirols in den Mittelpunkt. Die Förderung und der Erhalt von Gesundheit erfährt zwar in vielen gesellschaftlichen Bereichen große Aufmerksamkeit, das Handlungsfeld der kommunalen Gesundheitsförderung mit älteren Menschen ist in Südtirol aber noch kaum aufgebaut und bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht. Die Dissertation orientiert sich an einer „New-Public-Health-Ausrichtung“, welche Gesundheitschancen durch partizipative Ansätze und transdisziplinäre Zusammenarbeit fördern will.
Das Forschungsprojekt ist in der transdisziplinären partizipativen Forschung angesiedelt und basiert auf der forschungsethischen Prämisse, dass nicht nur über oder für Menschen geforscht werden darf, sondern Forschung vielmehr mit Menschen gestaltet werden muss. Eine intensive Zusammenarbeit von Forschung, Praxis, Politik und der Zivilbevölkerung erscheint auch aus Gründen der Qualitätssicherung von Forschung notwendig.
In Anlehnung an das WHO-Konzept der Gesundheitsförderung, das Gesundheit als sozial-wissenschaftliche Größe mit einem Fokus auf soziale Determinanten sieht, wurde gemeinsam mit älteren Menschen ein kommunales Gesundheitsförderungsprojekt entwickelt und umgesetzt.
Ältere Menschen verbringen den Großteil ihrer Zeit im direkten Wohnumfeld, weshalb das Setting „Gemeinde“ mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewinnt. Das Konzept der Gesundheitsförderung betont diese besondere Bedeutung des Settings und geht von einer intensiven Verbindung von Gesundheitsverhältnissen mit -verhalten aus, wodurch kommunale Gesundheitsförderung zum vielver-sprechenden Ansatz für die Förderung eines gesunden und aktiven Alterns wird.
Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit den Fragen, welche Gesundheitsbilder und welche Gesundheitsressourcen und -belastungen ältere Menschen im ländlichen Raum benennen und wie sie im Rahmen eines partizipativen Gesundheitsförderungsprojektes aktiv in die Gestaltung gesunder Lebenswelten einbezogen werden können.
Das Forschungsprojekt orientiert sich methodisch am „Comunity-based-participatory-health-research-Ansatz“, der vor allem im nordamerikanischen Raum weit verbreitet ist, und an den Qualitätskriterien der „International Collaboration for Participatory Health Reserach“.
Aufbauend auf partizipativ erarbeitete Befragungen über Gesundheitsbilder, Gesundheitsressourcen und -risiken sowie über Bedürfnisse, wurden gemeinsam mit der Gemeindepolitik, ehrenamtlichen Vereinen und der allgemeinen Bevölkerung Handlungsstrategien und Angebote für gemeindebasierte Gesundheitsförderung entwickelt und umgesetzt.
Im Projektverlauf konnte aufgezeigt werden, dass neben dem biomedizinischen Gesundheitsmodell auch alltagsbasierte Gesundheitsmodelle, wie „Gesundheit als Funktionstüchtigkeit“ oder „Gesundheit als Teilhabemöglichkeit am sozialen Leben“ bei älteren Menschen sehr verbreitet sind. Der ländliche Raum selbst wurde als Gesundheitsbelastung und Gesundheitsressource diskutiert, zum Beispiel das Bewusstsein der strukturellen Mängel oder die Ressource der Natur.
Reflektiert wurde auch die Herausforderung von kommunaler Gesundheitsförderung mit älteren Menschen in Südtirol. Dazu gehört zum Beispiel das Abwälzen von sozialen und gesundheitlichen Aufgaben auf das Ehrenamt sowie das Fehlen professioneller öffentlicher Dienste. Die partizipativ geplanten Gesundheitsförderungsaktivitäten zeigen auf, welche Angeboten sich ältere Menschen im ländlichen Raum wünschen, welche Schwierigkeiten sich im Rahmen des partizipativen Prozesses ergeben haben und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit gemeindebasierte Gesundheitsförderung gelingen kann.