Abstract
Mit 36,1 % aller landwirtschaftlichen Betriebe und 23,6 % der Gesamteinnahmen des gesamten Agrarsek-tors ist die Milchviehhaltung der wirtschaftlich zweitwichtigste Zweig der Südtiroler Landwirtschaft. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Grenzen für Bergbauern überwiegend in den hohen Produktions-und Arbeits-kosten liegen, die vor allem durch steile Hänge und große Höhenlagen bedingt sind, sowie in der Klein-strukturiertheit der Betriebe. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit dennoch zu erhalten, können Landwirte zwei verschiedene Optionen zur Einkommensoptimierung in Betracht ziehen. Eine Möglichkeit ist die sogenannte High-Input-Strategie, die darauf abzielt, hohe Produktionskosten durch einen hohen Produktionsausstoß (u.a. Milchmenge) zu kompensieren. Aufgrund der topografischen und klimatischen Einschränkungen in Bergge-bieten kann die High-Input-Strategie nur durch einen hohen Einsatz von externen Futtermitteln (z. B. Kraftfut-ter) und den Einsatz von Hochleistungsrinderrassen realisiert werden. Im Gegensatz dazu zielt die sogenann-te Low-Input-Strategie auf die Reduzierung externer Ressourcen sowie auf die Senkung der Produktions-und Arbeitskosten durch die Anpassung einer auf Weidewirtschaft und Grundfutter basierenden Produktion. In der vorliegenden Untersuchung wurde ein typisches High-Input-Milchviehsystem in Südtirol, das durch eine hohe Kraftfutter-und Maissilagefütterung und eine hohe Milchproduktion gekennzeichnet ist, mit ei-nem Low-Input-Milchproduktionssystem, welches den Vorgaben des Heumilchregulatives (grundfutterbe-tonte Milchproduktion) folgt und während der Vegetationsperiode Weidehaltung vorsieht, verglichen. Für beide Systeme wurden bewusst Zweinutzungsrassen berücksichtigt, nämlich hochleistendes Fleckvieh für das High-Input-System und autochthones Grauvieh für das Low-Input-System. Im Versuchszeitraum 2020 und 2021 wurden für beide Varianten alle relevanten ökonomischen Kennzahlen erhoben, mit dem Ziel, ei-nen zuverlässigen wirtschaftlichen Vergleich zweier in Südtirol häufig anzutreffender Produktionssysteme zu erhalten. Unter dem konventionellen Produktionsverfahren schneidet das High-Input-System wirtschaftlich besser ab. Wird hingegen unter ökologischen Bedingungen (Bioheumilch) produziert, schneidet das Low-Input System deutlich besser ab und erzielt einen wesentlich höheren Deckungsbeitrag pro kg Milch und einen ähnlichen Deckungsbeitrag pro Kuh im Vergleich zum High-Input-System.