Abstract
Mehrsprachigkeit in Südtirol ist längst nicht mehr auf die autochthone Dreisprachigkeit (Deutsch, Italienisch, Ladinisch) beschränkt. Seit Mitte der 1990er lassen sich im Zusammenhang mit Migrationsbewegungen auch in Südtirol große Veränderungen bezüglich der Präsenz von (sprachlicher) Vielfalt feststellen. Während sich Pädagogik, Bildungspolitik und Schuladministration insbesondere an Modellen der deutsch- bzw. italienischsprachigen Bezugsräume orientieren, ist noch offen, inwiefern die Südtiroler Bildungswelt aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im Umgang mit sprachlicher Heterogenität bereits über effektive Konzepte im Sinne einer Mehrsprachigkeitsdidaktik verfügt.
Das von der Europäischen Akademie Bozen initiierte Projekt „Sprachenvielfalt macht Schule“ beschäftigt sich mit der Beantwortung der Fragen, wie an Südtiroler Schulen das Potenzial der „alten“ und „neuen“ Mehrsprachigkeit wahrgenommen und genutzt wird und wie Schule den Herausforderungen einer mehrsprachigen Gesellschaft begegnen kann. Im Rahmen des Projekts, das in Kooperation mit dem deutschen und dem italienischen Bildungsressort durchgeführt wird, wurde in einer Pilotstudie der Ist-Stand zur aktuellen Datenlage, zu Repräsentationen und zum Umgang bezüglich Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt an deutsch- und italienischsprachigen Mittelschulen in Südtirol erhoben.
Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie werden mit den Schulen und den Bildungsressorts spezifische Arbeitspakete für eine dreijährige Projektarbeit entwickelt. Dazu zählen Entscheidungshilfen und Richtlinien zur (sprachlichen) Integration und Förderung von SchülerInnen in Schulklassen mit zunehmender Heterogenität, Schulprojekte zur Stärkung der sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen aller SchülerInnen sowie Maßnahmen zur Förderung von Sprachaufmerksamkeit und Sprachbewusstheit, um Mehrsprachigkeit als Bildungsziel weiter zu etablieren.