Abstract
Im Zentrum der vorliegenden Untersuchung, die auf der Analyse eines aus rechtswissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln in deutscher und italienischer Sprache bestehenden Korpus beruht, liegt die Verwendung der Metapher im juristischen Diskurs. Zunächst wird die Charakterisierung des "wissenschaftlichen Artikels" als zentrales Mittel des Informationsaustausches und -verbreitung bei der wissenschaftlichen Gemeinschaft, als Ort eines kollektiven Verständigungesprozesses und der akademischen Sozialisation sowie als expositiv-argumentative Textsorte gegeben. Anhand der Korpusanalyse, welche sich auf die kognitive Metapheraufffassung von Lakoff und Johnson stützt, wird dann gezeigt, wie die Metapher ihre Funktion auf drei Ebenen ausübt: auf sprachicher Ebene als Terminologisierungsmittel, auf textueller Ebene als Mittel der Metakommunikation und der Argumentation, und auf diskursiver Ebene als Mittel der Darstellung, Bestätigung und Reproduktion der Subjekte und Objekte des juristischen Diskurses (der Jurist, das Gesetz, das Recht). Aus einer interkulturellen Perspektive lassen sich im textuellen Bereich makrostrukturelle Unterschiede hypothisieren; dirskursiv wird die Gemeinsamkeit metaphorischer Modelle festgestellt, wobei deutschsprachige und italienischsprachige Autoren - als Vertreter der eigenen Rechtskultur sowie als individuelle Subjekte - jeweils verschiedene Aspekte hervorheben.