Abstract
Mit dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GeRS) steht ein Bewertungsinstrument für Sprachlernleistungen zur Verfügung, das seit ca. 10 Jahren europaweit genutzt wird. Sein Kernstück, die Bewertungsskalen und ihre Praxistauglichkeit, ist jedoch immer wieder für bestimmte Kompetenzbereiche angezweifelt worden. Vage Beurteilungskriterien und mangelnde Illustration sind Probleme, die oft zu sehr uneindeutigen Einschätzungen von Lernerleistungen führen. Zur Unterstützung bei solchen Problemen wurde das Projekt MERLIN (Mehrsprachige Plattform für die Europäischen Referenzniveaus: Untersuchung von Lernersprache im Kontext) entwickelt: Es bietet online die Möglichkeit, in authentischen, korpuslinguistisch aufbereiteten, schriftlichen Lernertexten nach sprachlichen Merkmalen in Deutsch, Italienisch und Tschechisch zu suchen und sich darüber zu informieren, für welche Niveaustufe des GeRS welche Fehler bzw. Kompetenzen in den Bereichen Orthographie, Grammatik, Lexik, Kohärenz und Pragmatik typisch sind. Um dies zu erreichen, werden die bereits vorhandenen Deskriptoren des GeRS geprüft und – wenn möglich – operationalisiert und durch forschungsbasierte Indikatoren ergänzt. Hinzu kommen Merkmale der Lernersprache, die in Befragungen von potenziellen Nutzern als wichtig genannt wurden, sowie solche, die sich induktiv aus der Analyse der Korpustexte ergeben.
Ziel der Merlin-Plattform ist es demnach, die Validität der GeRS-Deskriptoren zu überprüfen sowie der Nutzergruppe aus Lehrenden, Lernenden, Lehrbuchautoren und Testentwicklern[1] die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Bewertungen anhand authentischen und methodisch aufgearbeiteten Materials überprüfen zu können.
In dem Beitrag sollen das Projekt, methodische Ansätze und einige Ergebnisse vorgestellt sowie aktuelle Fragen diskutiert werden.