Abstract
Die italienische Provinz Südtirol ist bekannt als mehrsprachiges Gebiet, in dem die Sprachen Italienisch, Deutsch und Ladinisch einen offiziellen Status besitzen. Die Sprachenvielfalt, die in Südtirols Schulen präsent ist, geht allerdings über die Landessprachen hinaus und schließt neben diversen Varietäten derselben auch weitere Sprachen ein (Engel & Hoffmann, 2016), die über schulischen Unterricht, Familie, Freunde und Freizeitaktivitäten Eingang in die Sprachrepertoires von Südtiroler Schüler*innen finden.
Ausgehend von einem Verständnis des Sprachrepertoires als „Möglichkeitsraum des sprachlichen Ausdrucks“ (Busch, 2010:60), in dem sich Sprecher*innen in spezifischen Interaktionssituationen bewegen, untersucht das vorliegende Dissertationsprojekt, wie sich Schüler*innen der Sekundarstufe in Südtirol zu unterschiedlichen sprachlichen Ressourcen ihres Sprachrepertoires positionieren. Im Rahmen des Projekts werden sprachbiographische Interviews mit 24 Südtiroler Schüler*innen unterschiedlicher sprachlicher Hintergründe durchgeführt. Als Gesprächsanreiz gelten dabei Sprachenportraits (Busch, 2018), in denen die Schüler*innen ihre Sprachrepertoires gestalterisch in einer Körpersilhouette darstellen sollen und somit ein kreativer Reflexionsprozess in Gang gesetzt wird. In der darauffolgenden Analyse, die sich auf Konzepte der Positionierungstheorie (Spitzmüller, Flubacher & Bendl, 2017) sowie auf erzähltheoretische und gesprächsanalytische Grundlagen stützen wird (Lucius-Hoene & Deppermann, 2004), soll herausgearbeitet werden, welchen Sprachen und Varietäten die befragten Schüler*innen welche Bedeutungen für ihr Leben zuschreiben, und welche emotionalen Erfahrungen damit einhergehen. Dadurch soll schließlich ein differenziertes Bild der gelebten Mehrsprachigkeit der befragten Schüler*innen gezeichnet werden, das Spracherwerb und –verwendung in schulischen und außerschulischen Kontexten umspannt.