Abstract
Im Dorf, auf dem Land, in der Natur Kultur- und Naturlandschaften und ihre Transformation
Natur, Landwirtschaft und Dörfer, eingebettet in Landschaften, die sich seit Jahrzehnten tiefgreifend verändern. Traditionelle Kultur- und unberührte Naturlandschaften werden an den Rand gedrängt oder überformt, sie verschwinden zugunsten agroindustrieller Monokulturen und Energielandschaften, werden zusehends zu utopischen Inseln. Massentierhaltungen bestimmen ein unethisches Mensch-Nutztier-Verhältnis. Auch das Dorfleben hat sich vielerorts gewandelt: Dorfkneipen und Landgasthöfe werden seltener; neue Einwohner aus der Stadt suchen das Glück auf dem Land. Und schließlich macht sich der Klimawandel immer stärker bemerkbar. Ländliche Grenzerfahrungen, Transformationen und Herausforderungen für Natur und Mensch. Sie stellen die Frage nach innovativen Wahrnehmungen dieser
dynamischen Prozesse im ländlichen Raum, nach neuen, subtilen Perspektiven auf diese sich radikal wandelnde Umwelt-, Lebens- und Wirtschaftswelten. Wer schreibt wie von ihnen, um herauszufinden, was
sie mit Menschen und Umwelt machen? Wie können Schriftsteller:innen von diesen Entwicklungen kenntnisreich erzählen und neue facettenreiche, aber auch adäquate Bilder dieser ländlich-dörflichen Welt im Umbruch zeichnen? Oder welches Wissen kommt noch ins Spiel, wenn von Natur die literarische Rede ist? Scheint in poetischer Sprache Wissenschaft als Methode und Muster der Anschauung durch? Ist dann
äußere Wirklichkeit gar nicht beansprucht? Oder gibt sie die Ordnung für den bäuerlichen Alltag vor, die Rhythmik des Jahres und der Zeilen des Gedichts, unberührt vom zeitgeschichtlichen und technischen
Augenblick und weit ab vom Denken nach Diskurs und Begriff?