Abstract
Zuwanderung stellt Stadt und Land im Alpenraum speziell in der ersten Phase der Aufnahme, des „Willkommen Heißens“, für eine erfolgreiche langfristige Integration vor vielfältige Aufgaben und Herausforderungen (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2011). Die Zuwanderungs- und Integrationsdebatte ist von der Notwendigkeit geprägt, eine Willkommenskultur zu etablieren, der eine professionelle interkulturelle Einstellung bzw. Öffnung und entsprechende kommunale Angebote und Dienstleistungen zugrunde liegen, die für Zuwanderung wirbt und Neuankömmlingen das „Ankommen“ erleichtert (Aumüller & Gesemann, 2014). Gleichzeitig sind Einheimische zu sensibilisieren und, wenn möglich, partizipativ einzubinden.
Mit der Entwicklung von Willkommensangeboten und einer interkulturellen Strategie der Zuwanderung können Alpenstädte und -gemeinden Zuwanderung und Vielfalt besser als Bereicherung anerkennen und wertschätzen. Die engen sozialen Netze in kleinen Gemeinden stellen eine besondere Herausforderung, aber auch Chance, für die Integration dar. In Italien werden Flüchtlinge über einen nationalen Verteilungsschlüssel zunächst innerstaatlich, dann in der Region von der Stadt aufs Land dezentral verteilt. Bei dieser willkürlichen Zuweisung sind Gemeinden (und ihre sozialen Netzwerke) mit ihren Angeboten wichtige Ansprechpartner für Zugewanderte vor Ort. Das erfordert ein professionelles kommunales Leistungsangebot, gute Organisation und Kompetenzen in der Gemeinde mit weitreichenden Auswirkungen nicht nur auf die Finanz- und Sozialplanung.
In diesem Beitrag wurden in zwei Südtiroler Gemeinden die institutionellen Rahmenbedingungen und Akteursnetzwerke sowie Organisationsstrukturen für Willkommensangebote untersucht. Die Ergebnisse zeigen Hemmnisse und Erfolgsfaktoren für eine funktionierende Aufnahme von Migranten auf. Die notwendigen Voraussetzungen für eine zielführende Gestaltung der Rahmenbedingungen und der Governance werden anhand der Fallbeispiele erörtert. Daraus leiten sich Handlungsempfehlungen für kommunale und regionale Entscheidungsträger ab, um Integrationsangebote so anzupassen, dass Neuankömmlinge nicht nur zielgruppengerecht in die Gemeinden aufgenommen werden, sondern dass letztere partizipativ an diesem Prozess mitwirken.