Abstract
Aufbauend auf aktuellen Entwicklungen in der Mehrsprachigkeitsforschung und -didaktik und im Sinne eines „multilingual turn in languages education“ (Conteh & Meier 2014) soll in diesem Workshop gezeigt werden, wie Sprachenrepertoires und Mehrsprachigkeitskompetenzen im didaktischen Szenario eines „Sprachendorfs“ aktiviert werden können (Engel et al. 2020). Dieses Szenario enthält verschiedene mehrsprachige Stationen, an denen die Schülerinnen und Schüler in mehr als zehn Arbeitssprachen verschiedene Aufgaben- bzw. Problemstellungen bewältigen. An den Stationen sind verschiedene Modalitäten wie Interkomprehension, Mediation und Polyglotter Dialog (Lenz & Berthele 2010) in Verbindung mit rezeptiven und produktiven sowie konzeptionell schriftlichen und mündlichen Aufgaben über verschiedenste Materialien und Interaktionssituationen integriert, um eine möglichst große Bandbreite an Zugängen und Ausdrucksweisen zu ermöglichen.
Basierend auf einer Pilotierung der Fremdsprachendidaktik für germanische und romanische Sprachen (Adrighem et al. 2006; Eisberg 2010; Janse & Visser 2010; Quandt 2015) ist die Methodik des „Sprachendorfs“ als experimentelles und mehrsprachiges Setting für eine qualitativ angelegte Studie im Rahmen des Projekts „RepertoirePluS“ (2016-2019) entwickelt worden (Zanasi et al. 2020). Die Methodik wird seit 2018 in Zusammenarbeit mit mehreren Südtiroler Schulen im Sinne der Mehrsprachigkeitsdidaktik weiterentwickelt (Engel et al. 2020). Damit leistet das Projekt „RepertoirePluS“ einen Beitrag zur Erforschung von mehrsprachigen Praktiken im Sinne pluraler Ansätze (Candelier et al. 2009; Mariani 2009; Schlabach 2017) und einer Beschreibung und Aktivierung von Sprachenrepertoires (Busch 2012).
Im geplanten Workshop soll das „Sprachendorf“ als eine innovative didaktische Möglichkeit für die integrierte Konzeption von plurilingualen Lerninhalten und Kompetenzen vorgestellt werden. Dabei werden folgende Fragen beantwortet: Wie ist ein mehrsprachiges „Sprachendorf“ konzipiert? Wie kann man es zur Aktivierung von Sprachenrepertoires und Mehrsprachigkeitskompetenzen einsetzen? Wie lässt sich ein „Sprachendorf“ auch im eigenen schulischen Kontext zur Förderung von Mehrsprachigkeit aller Schülerinnen und Schüler und ihrer Sprachenrepertoires integrieren? Diesen Fragen werden wir uns interaktiv nähern, u.a. durch das Ausprobieren zweier Stationen des Sprachendorfs, sowie durch die gemeinsame Besprechung und Reflexion einer kurzen Videoaufnahme von Schüler*innen im RepertoirePluS Sprachendorf.