Abstract
Mehrsprachiges Lehren und Lernen stellt an Lehrpersonen besonders in einer Region wie Südtirol ganz neue Herausforderungen. Die bereits durch institutionelle Dreisprachigkeit (Deutsch, Italienisch, Ladinisch) und Diglossie gekennzeichnete Region, hat in den letzten Jahrzehnten durch (Trans)Migration eine Erweiterung der lebensweltlichen Mehrsprachigkeit erfahren, die einschneidende Auswirkungen auch auf den schulischen Alltag gezeigt hat. Der inklusive Umgang damit, die Wertschätzung und Aktivierung aller im Klassenzimmer vorhandenen Sprachen sowie die Nutzung der gesamten Sprachenrepertoires für den Lernprozess des einzelnen, sind ausgewiesene Eckpunkte einer mehrsprachigen Didaktik, die es auch für den Erstsprachenerwerb umzusetzen gilt. Dazu müssen aber neue Voraussetzungen geschaffen und ein Umdenken eingeleitet werden.
In diesem Beitrag wird die Initiative COMPASS („Didaktische Kompetenzen in der mehrsprachigen Klasse“) vorgestellt, welche von einem ForscherInnenteam des Eurac Research (Bozen) durchgeführt wird. COMPASS richtet sich an DaZ Lehrpersonen, sowie an Lehrpersonen aller Fächer, da jedes Fach eine sprachliche Dimension besitzt. Die Initiative setzt sich zum Ziel, die Entwicklung didaktischer Kompetenzen zu untersuchen. Dabei wird der Fokus in erster Linie auf die Entwicklung von Haltungen und Einstellungen gelegt, da diese eine entscheidende Rolle in der Unterrichtspraxis spielen. Zu diesem Zweck wurden eine deutsche und zwei italienische Grundschulen in Südtirol ausgewählt. Beginnend mit Oktober 2021 und für einen Zeitraum von zwei Jahren werden an den jeweiligen Schulen insgesamt zehn Workshops zum Thema Mehrsprachigkeit und Mehrsprachigkeitsdidaktik angeboten. Anhand einer Begleitstudie soll die Ausgangssituation eruiert, und im weiteren Verlauf des Projektes die Kompetenzentwicklung sowie Änderungen bezüglich Haltungen und Einstellungen kontinuierlich erhoben werden. Die Datenerhebung erfolgt anhand von Fragebögen, Leitfaden- und Gruppeninterviews.