Abstract
„Anthropos, Tyrann (Ödipus)“ ist ein Theaterabend an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Fünf Darstellerinnen steigen mit renommierten Wissenschaftler:innen in die Tiefen dieses männlichen Mythos ein und verbinden große Themen des Stücks wie Verantwortung, Schuld, Hoffnung oder Schicksal mit den beunruhigenden Erkenntnissen der Klimaforschung. Dabei erfährt die Geschichte um den Fluch beladenen Ödipus eine Revitalisierung im Zeichen gegenwärtiger Krisen: Der Mensch muss sehen, die Beziehungen endlich ernst nehmen, in denen er lebt.
Zwei Tage vor den antiken Dionysien, die vor rund 2500 Jahren jedes Jahr im März oder April stattfanden, acht Tage lang dauerten und zu Ehren des Gottes Dionysos abgehalten wurden, präsentierten die Dramatiker, unter ihnen auch Sophokles, die Handlung und Themen ihrer im Wettstreit befindlichen Werke. Chor und Schauspieler traten ohne Maske und Kostüm auf, sie waren für die Besucher:innen der Festspiele unmittelbar präsent. Vielleicht stellte der Proagon eine Art „Gelenk“ zwischen Kunst und Gesellschaft dar, jedenfalls suchten die antiken Dichter zunächst über das Gespräch die Verbindung zu den Menschen. Daran möchten wir zwei Tage vor der Premiere des Stücks „Anthropos, Tyrann (Ödipus)“ anknüpfen: Sie erleben live und „ungeschminkt“ das gesamte Ensemble der Produktion, die Schauspielerinnen und Wissenschaftler:innen erzählen aus dem Entstehungsprozess der Theaterarbeit, Sie lernen das fein gewobene „Geflecht“ rund um die Inszenierung kennen, erfahren, wie es zur Allianz Kunst–Wissenschaft kam und warum es so wichtig ist, dass wir uns angesichts der Klimakrise neu und anders mit der Natur, den Tieren, Dingen und den anderen Menschen in Beziehung setzen müsse.