Abstract
Südtirol ist bekannt als mehrsprachiges Gebiet, in dem die Sprachen Italienisch, Deutsch und Ladinisch einen offiziellen Status besitzen und eine Erklärung der Zugehörigkeit zu einer dieser drei Sprachgruppen institutionalisiert ist. Jenseits dieses Politikums geht die sprachliche Diversität, die an Südtirols Schulen präsent ist, über diese Sprachen hinaus und schließt neben diversen Varietäten derselben auch weitere Sprachen ein (Engel & Hoffmann, 2016), die über Familie, schulischen Unterricht, Freunde und Freizeitaktivitäten Eingang in die Sprachrepertoires der Schüler*innen finden.
Ausgehend von einem Verständnis des Sprachrepertoires als „Möglichkeitsraum des sprachlichen Ausdrucks“ (Busch, 2010:60), in dem sich Sprecher*innen bewegen, untersucht das vorliegende Dissertationsprojekt, wie sich Schüler*innen der Sekundarstufe in Südtirol zu unterschiedlichen sprachlichen Ressourcen ihres Sprachrepertoires positionieren. Hierfür werden sprachbiographische Interviews mit 24 Schüler*innen mit möglichst diversen sprachlichen Hintergründen durchgeführt. Als Gesprächsanreiz gelten dabei Sprachenportraits (Busch, 2010), in denen die Schüler*innen ihre Sprachrepertoires gestalterisch darstellen. In der darauffolgenden Analyse soll mithilfe von Konzepten der Positionierungstheorie (Spitzmüller, Flubacher & Bendl, 2017) und erzähltheoretischen und gesprächsanalytischen Ansätzen (Lucius-Hoene & Deppermann, 2004) herausgearbeitet werden, welche Bedeutungen die befragten Schüler*innen ihren sprachlichen Ressourcen zuschreiben und wie sprachliche Differenz und (Nicht-)Zugehörigkeiten in den Interviews konstruiert werden.