Abstract
In Abgrenzung zum Konzept einer Universalgrammatik sowie eines angeborenen Language Acquisition Device (Chomsky 1959) gehen die kognitiv(-interaktionistische) und auch die soziokulturelle Fremdsprachenforschung davon aus, dass korrektives Feedback den Fremdsprachenerwerb unterstützt (Leow/Driver; Cambridge Handbook, 65–84). Die vorliegenden drei Werke befassen sich daher mit den verschiedenen Varianten korrektiven Feedbacks, ihren Möglichkeiten für den Fremdspracherwerb sowie diesbezügliche Lerner*innen-Einstellungen.
Korrektives Feedback ermöglicht es den Lernenden, sprachliche Formen während der Bedeutungsaushandlung zu bemerken und zugleich eigene Hypothesen über die Fremdsprache zu testen (Cambridge Handbook of Corrective Feedback in Second Language Learning and Teaching, 2). Sowohl aus soziokultureller Perspektive (Vygotsky 1978, 1981; Nassaji, 85–107) als auch aus kognitiv(-interaktionistischer) Perspektive (Sektionen zwei und drei) wird demnach die wichtige Bedeutung korrektiven Feedbacks (Nassaji, 85) sowohl für die deklarative als auch die prozedurale Fremdsprachkompetenz hervorgehoben. Einen Überblick über die theoretischen Hintergründe sowie methodologischen Herangehensweisen geben die Sektionen eins und zwei des Cambridge Handbook. Aufbauend auf den Theorien der Input Hypothesis (Krashen 1985), der Output Hypothesis (Swain 2000), der Noticing Hypothesis (Schmidt 1990, 2001) und der Interaction Hypothesis (Long 1981, 1989) wurden in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Kategorien korrektiven Feedbacks entwickelten (vgl. beispielsweise Lyster/Ranta 1997). Dieses kann entweder explizit oder implizit sein, Input bereitstellen oder Output fördern, mündlich oder schriftlich, real oder digital erfolgen. Die verschiedenen Kategorien korrektiven Feedbacks sowie ihre Auswirkungen auf die Sprachkompetenzen der Lernenden (z. B. Grammatik, Wortschatz) bilden das Gerüst für einen extensiven Vergleich aktueller Forschungsergebnisse in den Sektionen drei, vier und fünf des Handbuches. Während zwar deskriptive Studien das Vorkommen von kognitivem Feedback im Fremdsprachenunterricht feststellten und experimentelle Studien die positiven Effekte bestätigen konnten, erzielten bisherige Studien hinsichtlich der verschiedenen Feedback-Kategorien teils divergierende Ergebnisse.