Abstract
In der Wissenschaftssprachforschung erweist sich eine exakte Bestimmung des Untersuchungsgegenstandes aufgrund seiner hohen Komplexität als schwierig (Ehlich 1995). Der vorliegende Sammelband nähert sich der Thematik daher durch empirische linguistische Studien und Analysen curricularer Konzepte. In einer programmatischen Einleitung wird auf die Notwendigkeit verwiesen, die Wissenschaftssprache Deutsch aus didaktischer und linguistischer Perspektive zu beleuchten und dabei sprachkontrastierend vorzugehen; die Autoren dozieren an deutschen, österreichischen und italienischen Universitäten. Wissenschaftssprache Deutsch im studienbegleitenden Deutschunterricht steht damit in der Tradition der komparatistischen Wissenschaftssprachforschung, deren Ansätze erstmals von Konrad Ehlich propagiert wurden (vgl. Ehlich 1995, 2005). Wissenschaftliche Texte sind gekennzeichnet von einer illokutiven Dichotomie, weil sie nicht nur informieren, sondern auch überzeugen und bestreiten wollen (Ehlich 1993). Diese assertiven und eristischen illokutiven Strukturen beinhalten sowohl Merkmale des schriftlichen als auch mündlichen Sprachgebrauchs. Auf diesem Konzept basierend konstatiert Giancarmine Bongo eine funktionale Unterscheidungsnotwendigkeit zwischen „darstellungsbezogenen“ und „diskursbezogenen“ Merkmalen der Wissenschaftssprache (24). Er verknüpft das Organon-Modell von Bühler mit Foucaults Diskursanalyse und stellt in einer Untersuchung von Einleitungen fest, dass diese kein strukturelles, sondern ein funktionales Merkmal wissenschaftlicher Fachtexte seien. Mithilfe sprachlicher Indikatoren vollziehe sich in der Textgliederung ein Funktionswechsel (32). Diese Analyse diskursbezogener und darstellungsbezogener wissenschaftssprachlicher Merkmale in ihrer funktionalen Bedingtheit wird sich weiter durch den Sammelband ziehen.