Abstract
Konstruktionen bezeichnen einerseits – von Menschen hervorgebrachte (ein Produkt menschlichen Denkens darstellende) – Vorstellungen, in Form von Thesen, Modellen und Theorien (zumindest in den Wissenschaften). Sie sagen etwas aus, über die Struktur und Dynamik (oder schlicht: die Beschaffenheit) eines besonderen Teils der Welt.[1] Dieser wird vom Rest der Welt unterschieden, indem man ihn als (den je besonderen) "Gegenstandsbereich" einer (jeden) Wissenschaft ausweist (und schon diese Wendung suggeriert etwas Ontologisches).
Konstruktionen dieser Art, als Hervorbringungen der Wissenschaften, erschließen entweder diesen Weltausschnitt, also den Gegenstandsbereich einer Disziplin komplettermaßen, d.h. mit Vollständigkeitsanspruch. Sie fungieren dann als fachkonstituierende Supertheorie (wie etwa die Evolutionstheorie im Falle der Biologie). Erschließen sie nur Teilbereiche dieses Weltausschnittes, sprechen wir von Theorien mittlerer Reichweite bzw. solchen, die Spezialgebiete behandeln.
Konstruktionen bezeichnen andererseits – von Menschen hervorgebrachte (ein Produkt menschlichen Handelns darstellende) – Gebilde, also Apparate, Maschinen und Systeme oder auch Werk- und Wirkstoffe sowie Gebäude aller Art. (Nicht zuletzt fallen auch die transklassischen Maschinen, also Kombination von Hard- und Software zu den so bedeuteten Konstruktionen.)
Konstruktionen dieser Art, als Hervorbringungen der Technik, unternehmen es, einen bestimmten, kleinen Weltausschnitt zu formen und das, was in seinem Innern bzw. an den Grenzen zu seiner Umgebung geschieht, zu kontrollieren. Hierbei geht es darum, eine bestimmte Funktion zu erfüllen, mit (eben) diesen "Konstruktionen" einen bestimmten (nicht nur epistemischen, Bewußtseinszustände, sondern ontischen, Weltzustände verändernden) Zweck zu verfolgen (also etwas in Bewegung setzen, Stoffe umwandeln, Energien transformieren, usw.).
Als Hervorbringungen menschlichen Denkens und menschlichen Handelns wirken Konstruktionen im Medium der Sprache oder im Medium der Technik. Allerdings können sie in beiden Fällen als Komplemente der menschlichen Selbstverwirklichung in der Welt begriffen werden.