Abstract
Narrative Bilder finden sich in Bilderbüchern, Cartoons, Comics, Graphic Novels, Zeichentrickfilmen oder Bilderbuch-Apps. Schon früh kommen Kinder in ihrer medialen Sozialisation mit ihnen in Kontakt. Sie eignen sie sich im sozialen Kontext an und wachsen in eine Kultur des Sehens und Erzählens hinein. Ihre Rezeption stellt die Heranwachsenden jedoch vor ganz eigene symbolische Herausforderungen. Mit Kindern über grafisch erzählte Geschichten ins Gespräch zu kommen, stellt eine Möglichkeit dar, an die mediale Vielfalt kindlicher Rezeptionserfahrungen anzuknüpfen und Transformationsprozesse zwischen Bildern und Sprache anzuregen. Um diese Verbindung zwischen visual literacy und Sprachbildung (Dehn 2014) erwerbsorientiert zu rekonstruieren, werden Aneignungen grafisch erzählter Geschichten im Rahmen gemeinsamer Rezeptionssituationen im Kindergarten untersucht. Im Folgenden werden beispielhaft key incidents (Kroon/Sturm 2002) aus Bilderbuchkinogesprächen zu David Wiesners Herr Schnuffels (2014) in den Blick genommen. Wiesner erzählt in Panels, fast ohne Text und aus wechselnden Perspektiven, die spannungsvolle Geschichte der Begegnung zwischen einem gelangweilten Kater und forschenden Außerirdischen. Der Fokus der Analyse liegt auf dem Umgang mit den narrativen Herausforderungen der grafischen Erzählung sowie den darin sichtbar werdenden sprachlichen, literarischen und ästhetischen Lernpotentialen.