Abstract
In einer Längsschnittstudie mit 139 niederösterreichischen Kindern aus 20 verschiedenen Volks schulen (Zufallsauswahl) wurde untersucht, welche Rechenstrategien Kinder zu Beginn ihres ersten Schuljahres bei Additionen und Subtraktionen im Zahlenraum bis 10 anwenden und auf welche Weise sie diese Strategien (dann auch im Zahlenraum bis 20) bis Mitte und schließlich bis zum Ende des ersten Schuljahres weiterentwickeln. Die in qualitativen Interviews erfassten Strategien wurden ins Verhältnis gesetzt einerseits zur Didaktik und Methodik des arithmetischen Erstunterrichts, den diese Kinder erfahren haben, andererseits zum zahlbezogenen Wissen zu Schulbeginn, zur Geschlechtszugehörigkeit der Kinder und zum Bildungsgrad ihrer Eltern. Die qualitative Auswertung mundet in der empirisch begründeten Bildung van sechs Typen von Strategiepräferenzen am Ende des ersten Schuljahres und macht deutlich, dass nur etwa ein Drittel der Kinder das van der aktuellen deutschsprachigen Fachdidaktik für die Strategieentwicklung im ersten Schuljahr formulierte Ziel (Automatisierung im Zahlenraum bis 1O) zumindest annähernd erreicht. Dabei wurde im Arithmetikunterricht dieser Kinder zentralen Empfehlungen der aktuellen Fachdidaktik nicht entsprochen, wie die qualitative lnhaltsanalyse der im Unterricht verwendeten Schulbücher und eine Lehrer/innenbefragung deutlich machen. Im quantitativen Teil der Arbeit kannten u.a. signifikante Effekte des frühen Zahlwissens, der Geschlechtszugeh6rigkeit und (der Tendenz nach) des Bildungsgrades der Eltern auf die Entwicklung der Rechenstrategien im ersten Schuljahr statistisch abgesichert werden.