Abstract
Eine Wissenschaftssprache ist in Forschungskontexten durch ein hohes Maß an Komplexität gekennzeichnet (Ehlich 1995) und wird daher von der Alltagssprache abgegrenzt. Die Sprache der Wissenschaft wird, vergleichbar einer Fremdsprache, erlernt, um in Lehr-Lern- und Forschungsprozessen Anwendung zu finden. Der vorliegende Beitrag widmet sich deshalb den folgenden Forschungsfragen durch eine komparatistische Untersuchung einer standardisierten Lernstandserhebung im Modul ‚Forschungsmethoden und wissenschaftliches Arbeiten in Bildungskontexten‘ an der dreisprachigen Universität Bozen-Bolzano (unibz): Was gehört zum Wissenschaftsspracherwerb im höheren Bildungssektor? Wie kann die Kompetenz des wissenschaftlichen Schreibens bei Studierenden mit Deutsch als Erst- sowie Zweitsprache erhoben werden? Eine systematisch vorgehende Wissenschaftssprachkomparatistik erscheint ein noch aufzuarbeitendes Desiderat, dem sich die neuere Forschung annähert, um im Wissenschaftsbetrieb ein sprachfreundliches Klima zu fördern (Ehlich 2006: 36 f.). Darüberhinausgehend kann an die Idee einer europäischen Wissenschaftsbildung und -kommunikation angeknüpft werden, die Mehrsprachigkeit bewusst integriert und für den Lehr- sowie Forschungskontext fruchtbar macht (Colin, Umlauf 2015; Heller et al. 2015).