Abstract
Kindheit findet aktuell vermehrt in Institutionen statt und Formate der Ganztagsbildung werden
zunehmend zu einer entscheidenden, inklusiv auszugestaltenden Sozialisationsinstanz für Kinder im
Grundschulalter. Hierauf bezogene politische Debatten ranken sich vor allem um systematische
Förderung und kompensatorische Anliegen für als "benachteiligt" geltende Kinder (Sauerwein & Heer,
2020; Seitz, Berti & Hamacher, 2023). Dem Recht von Kindern auf und ihrem Bedürfnis nach Spiel (u.a.
Deinet et al., 2018; Petillon, 2017) scheint demgegenüber in den aktuellen Debatten zur (inklusiven)
Grundschul- und Ganztagsbildung insgesamt nur eine untergeordnete Rolle zuzukommen (vgl. u.a.
Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz, 2023).
Dies aufgreifend thematisiert der geplante Artikel die Frage nach Spielzeug und Spiel (u.a. Mehringer
& Waburg 2020) im Schnittfeld von Perspektiven der Kindheits-, Grundschul- und Inklusionsforschung
und folgt dabei einem Verständnis von Spiel als zentraler Sozialisationsdimension (Staccioli 2008;
Hamayon 2016). Von hier aus wird das Spiel als soziale Praxis im Sinne eines „doing peer“ und/oder
eines „doing inclusion“ in den Blick genommen, ein in der Forschung zur Ganztagsbildung noch kaum
beleuchteter Aspekt (De Boer & Deckert-Peaceman, 2009; Berti & Seitz, 2023). Wir arbeiten hierbei
spezifisch das Potenzial deutungsoffener, „einfacher“ Materialien (Guerra 2017; 2023) und
traditioneller Spiele (Parlebas 2016; Berti 2022; 2023) für die Zugänglichkeit des Spiels für alle Kinder
sowie für inklusive Spielprozesse heraus. Wenig oder gar nicht vorstrukturierte Materialien wie selbst
hergestellte und/oder in der Natur gesammelte Gegenstände und Materialien als Spielanlass und
Spielzeug, wie sie vor allem in traditionellen Spielen verwendet werden, ermöglichen aufgrund ihrer
ästhetischen Beschaffenheit in Verbindung mit ihrer Deutungsoffenheit vielfältige, kreative und
experimentelle Spielerfahrungen, die zur Verständigung der Verschiedenen auffordern. Das Spiel
eröffnet so „shared spaces“ (Berti 2022) und kann als Schlüssel für ko-konstruktive und inklusive
Prozesse im oben angedeuteten Sinne fungieren.
Abschließend werden konkrete Anknüpfungspunkte benannt, die sich hieraus für die Konzeption einer
am Spiel orientierten inklusiven Ganztagsbildung in der Primarstufe sowie für eine interdisziplinär
ausgestaltete Forschung zu diesem Feld ergeben.