Abstract
Wir erleben derzeit die Kumulation ökonomischer, sozialer und ökologischer Problemszenarien, die nachhaltige Alternativen zum dominanten Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zur Überlebensfrage machen, denn die Existenzbedingungen lebender und zukünftiger Generationen stehen zur Disposition. Der Kapitalismus zeigt sich zu seiner Endzeit ebenso wie zu seinem Beginn von seiner hässlichsten Seite, einer extremen sozialen und ökologischen Verantwortungslosigkeit und einer einzigartigen Erpressung der Gesellschaften. Was wir brauchen sind Alternativen, vor allem aber Alternativen zu der Vorstellung, dass es keine Alternativen zu den Zerstörungen gebe, die die Interessen der Großindustrie, der Finanzwirtschaft und der neoliberalen Politik weltweit verursachen.
Es geht um reale Utopien, die Vorstellungen von einer lebenswerteren Gesellschaft mit konkreter alternativer Praxis verbinden. Solche Vorstellungen sind als lebensdienliche Gegenentwürfe realistischer als das, was als reale Sachzwänge der Ökonomie oder als Realpolitik vermittelt wird. Lange überkommene Vorstellungen, z.B. dass Wachstum Wohlstand erzeuge, sind die eigentlichen Illusionen. „[…] was Utopismus ist, ist Realismus – utopisches Handeln bzw. eine utopische Handlungsmaxime sind insofern realistisch, als sie davon ausgehen, so wie jetzt können wir einfach nicht weitermachen, und es muss einen fundamentalen Wandel geben, und zwar keinen Wandel […] im Kontext bestehender Praktiken, sondern […] eine Veränderung des Rahmens selber, der Praktiken selber“ (Welzer, 2012, S.42). Diese Beitrag stellt aktuelle Gegenentwürfe in den Kontext der ökosozialen Transformation.