Abstract
Der Beitrag gibt Einblicke in die unterrichtliche Rezeption von Bilder(bücher)n in mehrdimensional heterogenen Lerngruppen (ausführlicher: Hoffmann/Naujok 2014). Heterogenität in ihrer Vielschichtigkeit (Alter, Geschlecht, Sprache, soziale Herkunft etc.) ist konstitutiv für schulische Lerngruppen. Mit unterschiedlichen familialen Leseerfahrungen und Lektürevorlieben und ebenso verschiedenen Erwartungen ans Lesen kommen Kinder zur Schule und nehmen dort das vielschichtige Angebot an literarischen Erzähl- und Schreibanlässen unterschiedlich auf. Ausgangspunkt für unseren Beitrag ist die individuumsbezogene Unterschiedlichkeit von Deutungen, die als Anknüpfungspunkt für die Formulierung von Lernangeboten genutzt wird. In diesem Sinne eignen sich Bilder(bücher) auf spezifische Weise zur Arbeit mit heterogenen Lerngruppen: Da sie sich als Me-dium gerade durch Vieldeutigkeit – etwa in Bezug auf ihre perspektivische Erzählweise oder ihre symbolische und stilistische Bildsprache – auszeichnen, bieten sie differenzierte Schreib-, Erzähl- und Gesprächsanlässe. Darüber hinaus lassen Bilder(bücher) an die visuell geprägten Medienrezeptionsgewohnheiten von Kindern anknüpfen und deren Motivationspotenzial nutzen (vgl. Naujok 2012).
Besondere Lernpotentiale liegen in Transformationsprozessen zwischen Bildern und Sprache (vgl. Dehn 2007). Dabei ist es wichtig, sich auf Bilder einzulassen, sich mit Fremdheit, Mehrdeutigkeit und Widrigkeiten auseinanderzusetzen, Unsichtbares zu imaginieren und innere Bilder entstehen zu lassen. Als didaktische Konsequenz formuliert Dehn zwei Phasen der Auseinandersetzung mit Bildern: das Fokussieren des ersten Blicks und Transformationsprozesse zwischen Bildern und Sprache.
Vor diesem schreibdidaktischen Hintergrund sind Schülertexte zu Bilder(bücher)n in zwei heterogenen Lerngruppen entstanden, die die Datengrund-lage der folgenden Projekte bilden. In einer Lerngruppe wurden die Bilder des mehrperspektivisch erzählenden Bilderbuchs Stimmen im Park von Anthony Browne (1998) als Bilderbuchkino präsentiert und die SchülerInnen erzählten und schrieben die Geschichten der verschiedenen ProtagonistInnen. Eine andere Lerngruppe betrachtete verschiedene Illustrationsreihen zu Hänsel und Gretel, bekam ein Bilderbuchkino zu einer Hänsel und Gretel-Publikationen vorgeführt und jedes Kind schrieb zu einer individuell ausgewählten Illustration. Die in beiden Studien durch die symbolisch dichte Bildsprache angeregten Transformationsprozesse zwischen Bildern und Sprache werden in Hinblick auf ihre lernpo-tentiellen Momente speziell in heterogenen Lerngruppen befragt.