Abstract
Die mentalen Triebkräfte des europäischen Modernisierungsprozesses sind durch den Gedanken der Aufklärung, aber auch durch die Perfektibilitätsidee der Technik bestimmt. Diese zielt darauf, die Naturkräfte im Dienste des Menschen systematisch zu entwickeln. ln Verbindung damit tritt das Versprechen, Armut durch Wohlstand zu ersetzen. Erst durch das Zusammenspiel beider Momente ergaben sich die Möglichkeiten, kulturelle Innovationen in gesellschaftliche Mobilisierungsprozesse zu überführen. Dies erfolgte einmal in dinglicher Form, durch die Entwicklung und lmplementation von Technologien der industriellen Produktion, des Verkehrs, der Versorgung, der Telekommunikation usw., zum anderen in imaginativer Form, ausgedrückt durch Utopien der Naturbeherrschung, der überwindung des Raumes und der Erschließung von Zeit, ihrerseits gefördert durch die neuen Medien des Tons und des Films. Die in jüngster Zeit vielbeachtete Risikothematik bietet den Vorzug, die externalisierten Folgen des Fortschritts sowohl im Kontext der gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse (Technisierung, Mobilisierung, Individualisierung etc.) als auch der Leitideen der Moderne (Rationalität, Naturbeherrschung) zu problematisieren. Anders als bei sozialen (verteilungskritischen) und kulturellen (entfremdungskritischen) Aufarbeitungen der Moderne wird in dieser Debatte besonders auf die ökologischen lmplikationen des Prozesses fokussiert, der die Industriegesellschaft hervorgebracht hat.