Abstract
Der vorliegende Beitrag fußt auf Günther Pallavers (2014) These einer Territorialisierung der Minderheitenidentität in Südtirol, die von bestimmten Rahmenbedingungen (Europäisierungs- und Integrationsprozesse, Elitenkonsens, Vertrauen) getragen wird. Vom Fallbeispiel Südtirol ausgehend sollen zwei weitere Fallstudien (die deutsche Minderheit in Schlesien/Polen und die italienische Minderheit in Istrien/Kroatien) vergleichend analysiert werden, um festzustellen, ob sich die von Pallaver für Südtirol identifizierten Rahmenbedingungen auch auf andere Kontexte übertragen lassen, bzw. ob Prozesse einer Territorialisierung der Minderheitenidentifikation ein europaweit auftretendes Phänomen sind. Für nationale Minderheiten ist eine Differenzierung von der Mehrheitsbevölkerung wichtig, da die vorliegenden (z.B. sprachlichen) Unterschiede die Grundlage für die Gewährung von Gruppenrechten bilden. Andererseits ist Identität ein sich ständig veränderndes Konzept, das stark von Außenfaktoren wie z.B. Europäisierungsprozessen beeinflusst wird, und in welchem sich Kontinuität und Wandel nicht unbedingt gegenseitig ausschließen müssen.