Abstract
Die anthropologische und paläopathologische Untersuchung der von Antonio Nicolussi 1936 in der Zone D in Langhütten-Gand in Eppan ausgegrabenen Skelettreste hat eine Mindestanzahl von 8 Individuen ergeben. Die Knochenreste sind unvollständig und stark fragmentiert, fünf Individuen sind nur durch ein Knochenstück belegt. Aufgrund des geringen Erhaltungsgrades können keine statistisch untermauerten, allgemeinen Rückschlüsse auf den Lebensstil und die Pathologien gemacht werden, trotzdem wurden wichtige Informationen über die frühmittelalterlichen Bewohner von Eppan erarbeitet. Das Material setzt sich aus 25 % subadulten (0–20 Jahre) und aus 75 % adulten (21–50 Jahre) Personen zusammen. Was den pathologischen Aspekt anbelangt, weist der Kauapparat einen hohen Grad von Karies und Zahnabnutzung auf. Dies deutet auf ein Ernährungsmodell hin, das sich aus grob gemahlenem Getreide, Trocken-nahrung, zuckerreichen Lebensmitteln und Fleisch zusammensetzte. Der Konsum von zahnreinigenden Lebensmitteln (Obst und Gemüse) war vermutlich gering, da Zahnstein überwiegend auf der Innenseite der Zähne anzutreffen war. Gelenkabnützungen (Arthrose), Knochenbrüche und Indikatoren des Muskel- und Skelettapparates – leider nur an einem Individuum (# 9) zu beobachten – weisen auf eine intensive und sich wiederholende Tätigkeit hin, die vor allem den Ellbogen beanspruchte. Dahingegen sind die Arthrose der Wirbelsäule, die sogenannten Schmorl-Knötchen, die Veränderungen am Hüftgelenk und die Sehnenansatzverknöcherungen krankhafte Veränderungen, die typischerweise durch sehr intensives Pferdereiten verursacht werden. Die einzig mögliche Körperhöhenberechnung ergab einen Wert von 165 ± 3,56 cm (# 9). Die Körperhöhe dieses Individuums liegt damit im Bereich der Mittelwerte von männlichen Skelettfunden aus anderen mittelalterlichen Fundstätten in Südtirol und Trentino.
Schlussendlich haben die Radiokarbonanalysen (14C) die Datierung der Zone D von
Langhütten-Gandgüter ins 7.–9. Jahrhundert n. Chr. erwiesen und somit die Zuweisung
der Individuen # 6–8 und # 7 in die Kupferzeit widerlegt.