Abstract
Versuche der Vermessung wissenschaftlicher Leistungen gehen stets mit Standardisierungen einher, die die Vergleichbarkeit und ‚Objektivität‘ zu sichern suchen. Insofern ist der Trend zur Internationalisierung ebenfalls als eine solche Form der Standardisierung zu interpretieren. Internationalisierung des Wissenschaftssystems wird häufig unreflektiert mit der Verwendung der englischen Sprache in der Dissemination von Forschungsergebnissen in Verbindung gesetzt, ohne zu beachten, dass auch diese Vereinheitlichung eine monolinguale Publikationskultur (anglophone bias; Fejes & Nylander 2017) (re)produziert und einer Diversifizierung der Diversität (in der Migrationsforschung: super-diversity; Vertovec 2007) entgegenwirkt. Die Wahl der Publikationssprache kann insofern keineswegs der einzige Indikator für Internationalisierung sein. Gerade Sozial- und Kulturwissenschaften, besonders aber Erziehungswissenschaft, verweisen demgegenüber auf das besondere Problem sprachlicher Diversität – auch für die Vermessung wissenschaftlicher Leistungen. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag der Frage nach, in welchem Maße gegenwärtige Versuche der bibliometrischen Messung von Forschungsleistungen in der Erziehungswissenschaft zu einer Standardisierung oder zu einer gesteigerten Diversifizierung führen. Wir beziehen uns dabei auf Italien, das insbesondere im Blick auf Wissenschaftsgovernance als ein Kontrastbeispiel zu Deutschland gelten kann. Zugleich ist in Deutschland nur wenig über das spezifische System der italienischen Forschungsstruktur und der Leistungsmessung bekannt (Keiner & Karlics 2018; Bonaccorsi 2020a, 2020b; Hofbauer, Gross, Karlics & Keiner 2022). Dieses System stellen wir, auch im Vergleich zur deutschen Erziehungswissenschaft, dar – auch wenn wir hier aus Platzgründen keinen systematischen Vergleich vorlegen können.