Abstract
Gute Sprachkompetenzen in der Standardsprache sind alles andere als selbstverständlich. Sie können nur durch viel Übung erlangt werden. Dass der Weg zur guten sprachlichen Kompetenz oftmals recht weit ist, liegt vielfach daran, dass die Alltagssprache der meisten Schüler[1] nicht mit der schulischen Varietät, der sogenannten Bildungssprache, gleichzusetzen ist, die im schulischen Kontext erwartet und schließlich auch bewertet wird (Neuland/ Hochholzer 2006: 175). Je nach Region kann die Alltagssprache mehr oder weniger große Unterschiede zur Standardsprache aufweisen und zudem durch regionale und nationale Varianten charakterisiert sein; in jedem Fall aber werden bildungssprachliche Kompetenzen überwiegend innerhalb der Institution Schule erworben. Die Vermittlung bildungssprachlicher Kompetenzen in der Schule erfolgt unter anderem über die intensive Auseinandersetzung mit Texten – produktiv wie rezeptiv. Dieser Aufsatz stellt aktuelle Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zum Thema „Bildungssprache im Vergleich“ vor, in dem auf der Basis von ca. 1‘300 Erörterungsaufsätzen aus Südtirol, Nordtirol und Thüringen die Schreibkompetenz von Oberschülern ein Jahr vor der Matura bzw. dem Abitur beschrieben wird. Der Aufsatz präsentiert Ergebnisse linguistischer Analysen zur grammatischen Kompetenz und geht auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Schreibenden bei grammatischen Normverstößen ein. Er wird insbesondere der Frage nachgehen, ob und gegebenenfalls welche regionalen Unterschiede bei Schreibenden im deutschen Sprachraum feststellbar sind und inwiefern andere außersprachliche Variablen wie Schultyp und Geschlecht in Bezug auf die Verteilung grammatischer Normverstöße eine Rolle spielen. Bei der Darstellung der Ergebnisse werden Analysen zur Rektion im Mittelpunkt stehen.