Abstract
Utopien entwickeln sich aus herrschenden Missständen (Schölderle 2012: 17). Ihre Kritik entzündet sich über eine »fundamentalkritische Analyse der Gegenwart« (ebd.: 7) an gegenwärtigen Krisen. Sie entstehen, weil »ausgesprochene Krisenzeiten und Perioden des großen sozialen Umbruchs« (ebd.: 17, 158) existieren. Gleichzeitig gelten Utopien als »gesellschaftliche Gegenentwürfe« (vgl. Leser/Schwarz/Hilpert 2018: 2). Was sind kritikwürdige und unerträgliche Zustände in ländlichen Räumen? Was charakterisiert eine »schlechte und kritikwürdige Welt der Gegenwart« (ebd.: 158) auf dem Land? Und was sind sozial-utopische Alternativen? Dieser Beitrag erörtert zwei Thesen: erstens, dass agrarindustrielle Bewirtschaftungsmethoden ursächlich für nicht-nachhaltige ländliche Lebensbedingungen sein können und zweitens, dass sich mit dem Südtiroler »Malser Weg« – eine soziale Bewegung mit dem Ziel, in der Gemeinde Mals pestizidfrei zu werden – ein sozialer Gegenentwurf und damit ein Modell für eine ländliche Utopie entwickelte. Hierfür werden anhand agrarökologischer Kriterien prekäre landwirtschaftliche Zustände benannt und der sozial-utopische Gehalt des »Malser Wegs« diskutiert. Der Beitrag zeigt die Konflikte auf, die ihn seit seiner Entstehung vor rund 15 Jahren prägen. Die jahrelangen Auseinandersetzungen eine pestizidfreie Gemeinde in Südtirol und dem größten Apfelanbaugebiet Europas zu verwirklichen, mündeten in einen unlängst entschiedenen Rechtsstreit.